Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
155
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Glan von Procida und Reftituta. 155

Wie erschrocken und traurig die Liebenden bei alle Demwaren, was sie mit sich geschehen sahen, und wie sehr sieunter Thranen und Wehklagen für ihr Leben zitterten,das erkennt wol Jeder, ohne daß ich davon sage. Wieder König besohlen hatte, so wurden sie nach Palermogeführt und auf dem Platze an einen Pfahl gebunden.Dann ward vor ihren Augen Scheiterhaufen und Feuergerüstet, um sie zu der vom Königs angeordneten Stundezu verbrennen. Binnen Kurzem zog die Neugier, die bei-den Liebenden zu sehen, alle palermitaner Männer sowolals Weiber aus jenen Platz. Die Männer strömten her-bei, um den Anblick des Mädchens zu genießen und ebenso,wie sie ihre vollkommene und in allen Theilen gleicheSchönheit priesen, versicherten die Frauen, die alle herbei-kamen, um den jungen Mann zu sehn, einstimmig, daßauch er durchaus schön und wohlgebaut sei. Die unglück-lichen Liebenden aber standen, beide voller Scham, in steterErwartung des grausamen Feuertodes mit gesenktem Haupteund beweinten ihr Misgeschick.

Während sie aber noch also bis zur bestimmten Stundeausgestellt dastanden, und ihr Vergehen von Mund zuMunde ging, gelangte die Nachricht auch zu Ruggieri bell'Oria, einem Manne von unschätzbarer Tapferkeit, der da-mals Admiral des Königs war. Gleich den klebrigen gingauch er an den Platz, wo sie gebunden standen, und be-schämte, wie er dort angelangt war, zuerst das Mädchenund lobte ihre Schönheit gar sehr. Als er aber daraufden jungen Mann betrachtete, erkannte er ihn mit leichterMühe und trat deshalb näher zu ihm heran und fragteihn, ob er Gianni von Procida sei. Wie Gianni dasGesicht erhob und den Admiral erkannte, erwiderte er:Mein guter Herr, wol war ich Der, um den Ihr michbefragt, bald aber werde ich aufgehört haben, es zu sein."Darauf fragte ihn der Admiral, was ihn denn in solcheLage gebracht habe, und Gianni antwortete ihm:DieLiebe und des Königs Zorn." Der Admiral ließ sich die