Gian vo» Procida und Restituta.
153
daran hatte festhalten können, glücklich hinüber in denGarten. Hier fand er eine Stange, stützte sie bei demFenster, welches das Mädchen ihm bezeichnet hatte, an dieMauer und gelangte auf diese Weise ziemlich leicht hinauf.Das Mädchen aber meinte bei sich selbst, ihre Ehre, umderentwillen sie bis dahin gegen ihren Geliebten ein wenigstrenge gewesen war, sei nun doch verloren und sie könnesich wenigstens Niemandem ergeben, der ihrer würdiger sei,als eben er. Auch hoffte sie ihn zu bewegen, daß er siemit sich fortführe, und aus allen diesen Gründen hatte sie,entschlossen, ihm Alles zu gewahren, was er von ihr wün-schen könnte, das Fenster offen gelassen, damit er gleichohne Weiteres in das Zimmer gelangen könne.
So schlüpfte denn Gianni leise durch das offene Fen-ster ins Zimmer und legte sich sofort zu dem Mädchen,die noch wachte, nieder. Bevor sie jedoch etwas WeiteresVornahmen, offenbarte ihm Restituta alle ihre Wünscheund bat ihn auf das inständigste, daß er sie von dortbefreien' und sie mit sich hinwegführen möge. Giannierwiderte ihr darauf, daß ihm selber nichts erwünschter seinkönne, und daß ec in keinem Fall ermangeln werde, so-bald er sie jetzt verlassen habe, Alles auf solche Weise vor-zubereiten, daß er sie mit sich führen könne, wenn er dasnächste Mal wieder zu ihr komme. Nachdem sie dieseVerabredungen miteinander getroffen, umarmten sie sichvoller Entzücken und genossen das Vergnügen, das Amorselbst durch kein größeres zu überbieten vermag. EinigeMale wiederholten sie diese Genüsse und schliefen endlich,ohne es selber gewahr zu werden, Einer in des AndernArmen ein.
Inzwischen erinnerte sich der König an das Mädchen,die ihm gleich beim ersten Anblick besonders Wohlgefallenhatte, und beschloß, da er sich wieder vollkommen wohlfühlte, obgleich es schon gegen Morgen war, sich eine Weilemit ihr zu ergötzen. So machte er sich denn, von einigenseiner Diener begleitet, in aller Stille nach der Euba auf