152 Fünfter Lag. Sechste Geschichte-
Mädchens in der größten Bewegung, und was ihre Ange-hörigen dabei noch am meisten schmerzte, war, daß sienicht erforschen konnten, wer die Räuber gewesen seien.Gianni indeß, dem mehr als einem Andern daran gelegenwar, genügende Auskunft zu erlangen, wollte nicht ab-warten, bis der Zufall ihm in Jschia Nachrichten zufüh-ren würde, sondern rüstete, sobald er erfahren, nach wel-cher Seite jenes Fahrzeug sich gewandt habe, selber einSchiff aus und befuhr auf diesem, so schnell er konnte,die ganze Küste vom Minerva-Vorgebirge bis nach Sca-lea in Calabrien. Ueberall forschte er nach Kunde vonseiner Geliebten, und wirklich wurde ihm in Scalea be-richtet, wie sicilianische Schiffer sie nach Palermo geführthätten. Sogleich schiffte Gianni nach Palermo und suchtelange Zeit nach seinem Mädchen; als er aber endlich er-fuhr, sie sei dem Könige geschenkt worden und werde fürdiesen in der Cuba bewacht, betrübte er sich gar sehr undgab fast alle Hoffnung auf, sie nur einmal wiederzusehn,geschweige denn, jemals zu besitzen. Dennoch aber vonder Liebe festgehalten, schickte ec sein Schiffchen heim, undging, da er sicher war, von Niemandem gekannt zu sein,bei seinem längeren Verweilen häufig vor der Cuba vor-über.
Da traf es sich denn eines Tages so glücklich, daßer seine Restituta an einem Fenster erblickte, und sie ihnebenfalls gewahr wurde, worüber Beide sich unsäglich freu-ten. Gianni aber, welcher sah, wie einsam und abgelegendie Gegend war, näherte sich dem Fenster so viel er konnte,redete seine Geliebte an, und ging nicht eher wieder vondannen, als bis sie ihm gesagt hatte, wie er es anzustcllcnhabe, um mehr in der Nähe mit ihr zu sprechen, und erselber sich die Gelegenheit des Ortes auf das genaueste be-trachtet hatte.
Wie nun die Nacht gekommen und schon ein Theilderselben verstrichen war, kehrte er zurück und kletterteüber eine Mauer, die so glatt war, daß kein Specht sich