Gian von Procida und Rcstituta. 151
schwömmen, um, wenn auch nichts weiter, doch wenigstensdie Mauern ihrer Wohnung zu erblicken.
Wahrend aber diese glühende Liebe noch bestand, ge-schah es, daß das Mädchen, als sie eines Tages zur Som-merszeit ganz allein am Meeresufer lustwandelte und miteinem Messer Seemuscheln von den Steinen losbrach, sichvon Fels zu Fels bis zu einer zwischen Klippen verborge-nen Bucht verflieg, wo sich eben eine Anzahl junger Si-cilianer, die von Neapel zurückkamen, - angelockt von demkühlen Schatten und von der Annehmlichkeit einer eiskaltenQuelle, mit ihrem Ruderschiffchen ausruhtcn. Als diese dieSchönheit des Mädchens sahen und zugleich gewahr wur-den, daß sie allein sei und sie noch nicht bemerkt habe,beschlossen sie, sie festzuhalten und mit sich fortzusühren.Dem Entschlüsse folgte die Ausführung auf dem Fuße;so viel das Mädchen auch schreien mochte, schleppten siesie doch in ihr Fahrzeug und fuhren mit ihr davon. Alssie indeß in Calabrien anlandeken und miteinander zuverhandeln ansingsn, wem sie zufallen solle, begehrte, umes kurz zu sagen, jeder Einzelne sie für sich allein. Wiesie sich nun gar nicht einigen konnten und wohl sahen,daß sie um des Mädchens willen noch miteinander in übleHändel kommen und ihre übrigen Angelegenheiten zuGrunde richten könnten, kamen sie endlich dahin überein,daß sie sie dem König Friedrich von Sicilien, der um jeneZeit noch jung war und an schönen Frauen großes Ge-fallen fand, zum Geschenke machen wollten. Und so tha-len sie auch wirklich, sobald sie nach Palermo gekommenwaren.
Der König fand sie schön und nahm das Geschenkmit Freuden an. Da er aber eben ein wenig kränkelte,befahl er, daß sie, bis er sich wieder kräftiger fühlen würde,ein gar schönes Gebäude in einem königlichen Garten, derCuba genannt wird, beziehen, und dort gehörig gepflegtwerden solle. Und so wurde denn auch gethan.
Inzwischen war ganz Jschia wegen des geraubten