150 Fünfter Tag. Sechste Geschichte.
Sechste Geschichte.
Gian von Procida wird bei seiner Geliebten, die inzwischen demKönig Friedrich geschenkt worden war, überrascht und mit ihr aneinen Pfahl gebunden, um dort verbrannt zu werden. Ruggieri
Lcll'Oria erkennt und rettet ihn aber und er heirathct sie.
Ä-ls die Geschichte der Neiphile, die den Damen sehrWohlgefallen hatte, beendigt war, befahl die Königin derPampinea, daß sie sich rüsten möge, eine neue zu erzäh-len. Pampinea erhob ihr klares Antlitz, und begann so-fort also: „Gewaltig, Ihr muntern Mädchen, sind dieKräfte der Liebe, und zu den kühnsten Unternehmungen,zu übermäßigen und unglaublichen Gefahren leihen sieden Liebenden Muth, wie das aus mehreren der Beispieleentnommen werden kann, die heute und an den vorigenTagen bereits erzählt worden sind. Dennoch aber bin ichgesonnen, Euch in der Geschichte eines verliebten jungenMannes einen neuen Beweis davon zu geben.
Jschia ist eine Insel nahe bei Neapel, auf der voreiniger Zeit unter andern ein gar schönes und munteresMädchen lebte, die Restituta hieß und die Tochter einesEdelmannes von jener-Insel, Namens Marin Bolgaro,war. Diese nun liebte ein junger Mann, von der benach-barten kleinen Insel Procida, der Gianni genannt wurde,mehr als sein Leben und sie ihn nicht minder. Nicht al-lein daß er bei Tage nach Jschia zu kommen und, umsie zu sehn, sich dort zu verweilen pflegte, war er schonoftmals auch bei Nacht, wenn er eben keinen Kahn ge-funden hatte, von Procida bis nach Jschia hinüberge-