Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

Giannole di Severins entführt seine Schwester. 149

fei. Sogleich umarmte er sie unter vielen Thränen, sosehr sie sich auch sträuben mochte, und sagte zu Giacominogewandt:Theuerster Bruder, das Mädchen ist meineTochter; das Haus, das Giacomino geplündert hat, wardas meinige, indem meine Frau bei dem plötzlichen Schreckendas Kind vergessen hatte, und bis heute haben wir Allegeglaubt, sie sei an jenem Tage, wo mein Haus verbrannte,ebenfalls ein Raub der Flammen geworden."

Wie das Mädchen diese Worte vernahm, maß sietheils, da sie ihn schon bei Jahren sah, seinen WortenGlauben bei, theils regte sich auch in ihrem Herzen eineverborgene Stimme, und sie sing, von nicht mindererRührung ergriffen, gleichfalls zu weinen an. Bernabuccioschickte sogleich nach ibrer Mutter und nach den andernVerwandtinnen, so wie nach den Schwestern und Brü-dern, zeigte sie ihnen Allen und erzählte ihnen, was ge-schehen war, und führte sie dann nach tausend Umarmun-gen unter großen Festlichkeiten und mit voller Zustimmungdes Giacomino in sein Haus.

Als diese Neuigkeiten dem Stadthauptmann, der einwohlgesinnter Mann war, bekannt wurden, beschloß er,weil Giannole, den er noch gefangen hielt, als Ver-nabuccio's Sohn, des Mädchens leiblicher Bruder war,dessen Vergehen für dies Mal ungestraft hingehen zulassen. Zu dem Ende redete er dem Bernabuccio wiedem Giacomino zu und brachte es glücklich dahin, daßdem Giannole wie dem Minghino verziehen und demLetzteren zu großer Freude der Anverwandten das Mäd-chen, die Agncsa hieß, verlobt wurde, worauf er dannauch den Crivello und die Andern, die um der gleichenAngelegenheit willen eingesperrt worden waren, mit ihnenzugleich freiließ.

Minghino aber feierte bald darauf mit' vielem Auf-wand fröhliche Hochzeit, führte seine Braut heim und lebtenoch viele Jahre mit ihr glücklich und in Frieden."