148 Fünfter Lag. Fünfte Geschichte.
aus Medicina, der sich genau erinnerte, was für ein Hauses gewesen sei, das Guidotto ausgeplündert hatte. Undda er den Eigenthümer desselben ebenfalls dort gegenwärtigsah, trat er zu ihm und sagte: „Bernnbuccio, hörst Duwol, was Giacomino da sagt?" „Feilich," erwiderte Ber-nabuccio, „und eben bedenke ich mir die Sache genauer;denn ich erinnere mich sehr wohl, daß ich in der damali-gen Verwirrung eine Tochter, gerade von dem Alter, dasGiacomino angab, verlor." „Gewiß, das muß sie sein,"entgegnete Guglielmo, „denn ich habe selber einmal denGuidotto beschreiben hären, wo er zu jener Zeit geplünderthabe, und daraus ganz deutlich entnommen, daß es DeinHaus gewesen sei. Besinne Dich also, ob Du sie an kei-nem Zeichen wieder zu erkennen weißt, und dann schickenach ihr und Du wirst ohne Zweifel finden, daß sie DeineTochter ist."
Bernabuccio sann eine Weile nach und entsann sich amEnde wirklich, daß sie über dem linken Ohre eine kreuz-förmige Narbe haben müsse, die davon entstanden war,daß er ihr kurz vor jenem Ereigniß dort ein kleines Ge-wächs hatte ausschneidcn lassen. So zögerte er denn nichtweiter, sondern ging auf Giacomino, der noch gegenwär-tig war, zu und bat ihn, daß er ihn mit sich nach Hausenehmen und ihm das Mädchen zeigen möge. Giacominowar gern bereit dazu und ließ das Madcken rufen, sobaldsie nach Hause gekommen waren. Wie Bernabucciosie aber zu sehen bekam, war es ihm, als sähe er dieZüge der Mutter, die noch eine schöne Frau zu nennenwar, leibhaftig vor sich. Ohne sich indeß damit zu beru-higen, bat er Giacomino um die Erlaubnis, ihr die Haareüber dem linken Ohre ein wenig aufhebcn zu dürfen, wasdieser auch bewilligte. So trat denn Bernabuccio zu demMädchen, die verlegen und beschämt dastand, und hatte ihrkaum mit der rechten Hand die Haare ein wenig gelüftet,als er auch schon das Kreuz erblickte, und durch das Zei-chen sich völlig überzeugte, daß sie wirklich seine Tochter