Giannole di Severinv entführt seine Schwester. 147
das Mädchen, um die es sich handelt, nicht, wie die Mei-sten glauben mögen, aus Cremona oder aus Pavia ge-bürtig, sondern daß sie eine Faentinerin ist, wenn auchweder ich, noch sie selbst, noch Der, von dem ich sie er-halten habe, anzugeben wissen, wessen Tochter sie sei. Da-rum soll denn in der Angelegenheit, um derentwillen Ihrmich bittet, Alles so geschehn, wie Ihr selbst bestimmenwerdet."
Als dis guten Männer vernahmen, das Mädchen seiaus Faenza, wunderten sie sich nicht wenig und baten des-halb den Giacomino, nachdem sie ihm zuvor für seinewohlwollende Antwort gedankt hatten, daß er ihnen dochsagen möge, wie das Mädchen in seine Hände gekommensei und wie er erfahren, daß sie aus Faenza stamme.Giacomino erwiderte ihnen: „Guidotto von Cremona, dermein Freund und Waffcngefährte gewesen ist, sagte mirauf seinem Todbette, daß er, als diese Stadt von KaiserFriedrich eingenommen und dabei geplündert wurde, miteinigen seiner Gefährten in ein Haus gedrungen sei, dassie zwar voller Sachen, aber von den Einwohnern ver-lassen gefunden haben. Nur ein Kind von etwa zweiJahren sei zurückgeblieben, und habe, wie er die Treppenhinausgekommen sei, ihm „Vater" cntgegengerufen. Da-durch zum Mitlciden bewogen, habe er denn das kleineMädchen nebst den übrigen Sachen, die er dort im Hausevorgefunden, mit sich nach Fano genommen. DasselbeMädchen nun hinterließ er mir bei seinem Tode mit Al-lem, was er hatte, und trug mir auf, sie, wenn es ander Zeit sein würde, zu verheirakhen, und ihr alsdannAlles, was Sein gewesen wäre, zur Mitgift zu geben.Alt genug wäre sie zwar wol um zu heirathen; nochhabe ich aber Keinen gefunden, der mir genehm gewesenwäre; doch thäte ich gerne bald dazu, damit Vorfälle,wie die von gestern Abend, sich nicht mehr wiederholenkönnten."
Unter den Anwesenden war ein gewisser Guglielmo