140 Fünfter Tag. Vierte Geschichte.
damit er dann die Nachtigall in seinen eigenen und nichtin einen fremden Bauer gethan habe."
Madonna Giacomina beruhigte sich, als sie ihren Man»so wenig über das Geschehene erzürnt sah, und war am Endeganz zufrieden, daß ihre Tochter eine schöne Nacht gehabt, gmgeschlafen und die Nachtigall gefangen habe. Auch dauertees nach diesem Gespräche nicht mehr lange, so erwachteRicciardo und hielt sich, als er sah, der Helle Tag sei schongekommen, für verloren, rief die Eaterina und sagte:„Was soll nun aus uns werden, mein Leben? Der Tagist schon gekommen und hat mich hier betroffen." Beidiesen Worten trat Messer Lizio hinzu, hob den Vorhangauf und sagte: „Wir werden schon machen." Wie Ric-ciardo Den erblickte, war es ihm nicht anders, als würdeihm das Herz aus dem Leibe gerissen. Sogleich setzte ersich im Bette auf und sagte: „Ach Herr, um Gotteswil-len, ich bitte Euch um Gnade. Ich erkenne, daß ich alsein nichtswürdiger, böser Mensch den Tod verdient habe,macht also mit mir, was Euch immer beliebt. Dennochaber bitte ich Euch, wenn es sein kann, mir das Lebenaus Gnade zu schenken und mich nicht umzubringen."Darauf antwortete Messer Lizio: „Ricciardo, das 'Hab' ichmit der Liebe und mit dem Vertrauen, die ich zu Dirhegte, nicht um Dich verdient. Da es nun aber einmalso ist, und Deine Jugend Dich zu einem solchen Vergehenverleitet hat, so nimm nun, um Dich vom Tode, michaber von der Schande zu retten, die Eaterina zu Deinergesetzmäßigen Frau und denn mag sie, wie sie diese Nachtüber die Deine gewesen ist, so ihr ganzes Leben über esbleiben. Auf diese Weise allein kannst Du mich wiederversöhnen und Dir selbst Dein Leben retten; bist Du abernicht gesonnen, also zu thun, so eile, Deine Seele Gottzu befehlen."
Während dieses Gespräches hatte Eaterina die Nach-tigall fahren lassen und sich zugedeckt; nun aber weintesie bitterlich und bat eines Theils ihren Vater, er solle