Caterina da Valbano und die Nachtigall. 141
dem Ricciardo vergeben, und andern Theils auch denletztem, daß er thun möchte, was Messer Lizio verlangte,damit sie dann noch lange dergleichen Nachte in allemFrieden genießen könnten. Zndeß bedurfte es dazu nichterst vieler Bitten; denn theils die Scham wegen des be-gangenen Fehltritts und der Wunsch, ihn wieder gut zu ma-chen, theils die Furcht vor dem Tode und das Verlangender Rettung, theils endlich die glühende Liebe und diesehnliche Lust, den geliebten Gegenstand zu besitzen, bewo-gen ihn insgesammt, sich von freien Stücken und ohneeiniges Besinnen zu Allem, was Messer Lizio begehrte,bereit zu erklären. Darauf ließ der letztere sich von Ma-donna Giacomina einen Ring leihen, mit dem Ricciardoin Beider Gegenwart gleich am Orte sich der Caterinaehelich verloben mußte. Erst nachdem dies geschehen war,ließen Messer Lizio und seine Gemahlin die Neuverlobtenmit den Worten allein: „Ruht Euch nun aus, denn dasmöchte Euch vielleicht wohler thun, als aufzustehn."
Kaum waren jene Beiden fortgegangen, so umarmtendie jungen Leute sich aufs neue und fügten, zum Beschlußder ersten Tagereise den sechs Meilen, die sie während derNacht zurückgelegt hatten, bevor sie aufstanden, noch zweiandere hinzu. Nachdem darauf Ricciardo sich mit MesserLizio noch ausführlicher besprochen hatte, vermahlte er sichwenige Tage spater in herkömmlicher Weise und in Ge-genwart der Freunde und Anverwandten abermals mit Ca-terina, führte sie mit vielen Festlichkeiten in seine Hei-mat, wo er eine prächtige, ehrenvolle Hochzeit ausgerich-tet, und ging dann in Ruhe und in Freuden bei Tageund bei Nacht so viel es ihm nur beliebte lange noch mitihr auf die Nachtigallenjagd."