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Fünfter Lag. Vierte Geschichte.
mir wundern, daß sie Gefallen daran findet, die Nachti-gall singen zu hören? Ist sie doch noch ein halbes Kind,und junge Leute, ergötzen sich einmal an den Dingen, dieihnen gleichen." Als Messer Lizio diese Vorwürfe mit an-gehört hatte, sagte er: „Nun meinetwegen, so laß ihr dennein Bette zurecht machen, das klein genug ist, um ausdem Erker Platz zu finden, sorge auch dafür, daß Vor-hänge herum sind, und dann mag sie in Gottes Namendort schlafen und die Nachtigall singen hören, so viel esbeliebt."
Sobald das Mädchen die Einwilligung ihres Va-ters vernommen hatte, ließ sie sich sogleich ihr Betteauf dem Erker aufschlagen, um schon die nächste Nachtdort schlafen zu können, und lauschte dann so lange, bissie den Mcciardo zu sehen bekommen und ihm das unterihnen beiden verabredete Zeichen, das er auch sogleich ver-stand, gemacht hatte. Als Messer Lizio nun am Abendhörte, das Mädchen sei zu Bette gegangen, verschloß erdie Thür, die von seinem Zimmer aus auf jenen Erkerführte, und legte sich dann gleichfalls schlafen. Ricciardoaber erkletterte, sobald Alles im ganzen Hause still gewor-den war, vermittelst einer Leiter zuerst eine Mauer; dannarbeitete er sich an den einzelnen vorstehenden Steinen ei-ner andern anstoßenden Mauer mit unsäglicher Mühe undmit großer Gefahr für den Fall, daß er heruntergestürztwäre, bis zu dem Erker, wo sein Mädchen ihn in allerStille, aber voller Entzücken empfing. Dann legten Beidesich nach tausend ausgetauschten Küssen nieder, und ge-nossen fast die ganze Nacht hindurch alle Lust, die Lie-bende einander gewähren können, wobei sie denn natürlichdie Nachtigall gar vielmals schlagen ließen. Da indeß ihreFreuden groß, die Nächte aber kurz waren, geschah es,daß sie, wie der Tag, was sie nicht vermutheten, schonnahe war, Beide, von der warmen Luft sowol als vonden miteinander getriebenen Liebesspielen erhitzt, ohne einigeBedeckung einschliefen, und daß Caterina, die den rechten