Catcrina da Balbano und die Nachtigall. 137
die Wahrheit sagen; auf allen Fall aber solltet Ihr beden-ken, daß junge Mädchen mehr innere Warme haben, alsbejahrte Frauen." Darauf sagte die Mutter: „Darin hastDu freilich recht, mein Kind, ich kann nun aber docheinmal warm und kalt nicht nach Belieben machen, wiees Dir vielleicht anständig wäre. Das Wetter muß manschon ertragen, wie die Jahreszeit es eben mit sich bringt.Möglich, daß es auf die nächste Nacht kühler wird unddann wirst Du ja besser schlafen." „Wollte Gott,"entgegnen Cakerina, „aber es pflegt nicht grade zu ge-schehen, daß die Nächte gegen den Sommer hin kühlerwerden." „Was verlangst Du denn aber, daß man thunsoll?" sagte die Mutter. Cakerina erwiderte: „Wenn esmeinem Vater und Euch nicht unlieb wäre, ließe ich mirgerne auf dem Erker, der an seine Stube stößt und nachseinem Garten hinausgeht, ein Bettchen machen und schliefeda. Gewiß da hätt' ich es, beim Gesänge der Nachtigallund bei größerer Kühle, viel besser als in Eurem Schlaf-zimmer." Darauf sagte die Mutter: „So beruhige Dichdenn meine Tochter, ich werde es Deinem Vater sagen,und was der beschließen wird, das werden wir thun."
Als indeß Messer Lizio, der vielleicht wegen seines Altersetwas eigensinnig war, diese Dinge vernahm, sagte er: „Wasist das für eine Nachtigall, bei deren Gesänge sie schlafenwill? Ich will sie lehren, beim Gesänge der Heuschreckeneinschlafen." Die nächste Nacht schlief Cakerina, wenigervor Hitze, als vor Aerger über die abschlägige Antwortihres Vaters nicht allein selber nicht, sondern ließ auch,unter beständigen Klagen über die Wärme, ihre Mutterzu keinem Schlafe kommen. Am Morgen nach dieserübel verbrachten Nacht suchte die Mutter Messer Lizioauf und sagte zu ihm: „In der That, mein Gemahl, Ihrscheint unsere Tochter nicht besonders lieb zu haben. Waskann es Euch denn verschlagen, wenn sie die Nacht aufdem Erker schläft? Sie hat sich diese ganze Nacht vorHitze nicht zu lassen gewußt. Und wie könnt Ihr Euch