136 Fünfter Tag. Vierte Geschichte.
lehnen, zu Ricciardo's größter Freude durch gleiche Gegen-liebe. Oftmals hatte er schon von seiner Liebe zu ihr spre-chen wollen, und immer hatte er aus Scheu doch wiedergeschwiegen. Endlich nahm er eines Tages seine Zeitwahr, faßte sich ein Herz und sagte zu ihr: „Caterina,ich bitte Dich, laß mich nicht vor Liebe sterben." DasMädchen antwortete sogleich: „Wollte Gott, Du thätest mires nicht noch arger an." Diese Antwort freute und er-muthigte den Ricciardo so sehr, daß er erwiderte: „Anmir soll es gewiß nie liegen, Alles zu thun, was Dirwillkommen ist. Du aber vermagst die Mittel auszu-sindcn, die unS Beiden das Leben wicdergeben können"„Ricciardo," entgegnete das Mädchen, „Du siehst wohl,wie sehr ich bewacht werde. Ich weiß nicht, wie es an-zustcllen wäre, daß Du zu mir kommen könntest; weißtDu aber ein Mittel, wie cs ohne meine Schande gesche-hen könnte, so will ich gerne thun, was Du verlangst"Ricciardo hatte zu dein Ende schon allerhand überdachtund antwortete nun sogleich: „Meine süße Caterina, auchich weiß kein Mittel, als wenn Du auf dem Erker, dernach dem Garten Deines Vaters hinausgeht, schlafen, oderwenigstens Nachts dorthin kommen könntest. Wüßte ichdann, daß Du da wärest, so würde ich, so hoch es auchhinauf ist, doch auf allen Fall schon sehen, daß ich hin-kommen könnte." Darauf erwiderte Caterina: „Wenn DuDich denn getraust hinaufzukommen, so denke ich, es sollmir schon gelingen, daß ich dort schlafen darf." NachdemRicciardo das noch einmal bejaht hatte, küßten sie sich eineinziges Mal gar flüchtig und trennten sich alsdann.
Nun war der Mai schon nahe und am andern Tage singdas Mädchen an, sich gegen ihre Mutter gewaltig zu beklagen,daß sie die vergangene Nacht vor übermäßiger Hitze nichthabe schlafen können. „Wie, meine Tochter," erwidertedie Mutter, „warm wäre es gewesen? Im Gegentheil, eswar ja eher kühl." Caterina aber antwortete: „Mutter,Ihr solltet lieber reden wie ich, und dann würdet Ihr wol