128 Fünfter Lag. Dritte Geschichte.
Weg noch Pfad, noch auch Huftritte eines Pferdes entdeckenkonnte, sing er, sobald er sich sowol den Händen Derer,die ihn gefangen, als der Andern, die jene überfallen hat-ten, erst sicher entronnen glaubte, über alle Maßen trau-rig, daß er sein Mädchen nicht wieder finde, zu weinenan. In allen Richtungen durch den Wald hin rief ernach ihr, doch Niemand gab ihm Antwort. Zurückzukeh-ren getraute er sich nicht, und doch wußte er auch nicht,wohin er gerathen könne, wenn er vorwärts ginge. Zugleichaber erschreckten ihn die wilden Thiere, die in den Wäldern zuweilen Pflegen, um seiner selbst und um seines Mädchens wil-len, die er in Gedanken jeden Augenblick von einem Bären oderWolfe erwürgt werden sah. So trieb der unglückliche Pietrosich den ganzen Tag über unter Rufen und Wehklagenin dem Walde umher, wobei es denn oft geschah, daß erin der Richtung, woher er gekommen war, zurückkehrte,während er vorwärts zu gehen wähnte. Endlich fühlte ersich von dem lauten Rufen, von dem Weinen, der aus-gestandenen Angst und dem langen Fasten so angegriffen,daß er nicht mehr von der Stelle konnte. Als nun auchdie Nacht anbrach, stieg Pietro, der sich auf keinerlei Weiseanders zu rathen und zu helfen wußte, von dem Pferde,band dies an eine hohe Eiche und kletterte dann, um nur nichtvon den wilden Thieren zerrissen zu werden, auf die Aeste.Bald darauf ging der Mond auf und der Himmel warschön und hell; Pietro aber enthielt sich, aus Furcht, her-unterzustürzen, des Schlafes, obgleich ihn auch in der sicher-sten und bequemsten Stellung sein Gram und seine Sorgenum das Mädchen nicht hatten schlafen lassen, und so ver-brachte er unter Seufzern, Thränen und Verwünschungenseines Misgeschickes wachend die ganze Nacht.
Inzwischen war das Mädchen, wie wir schon oben erzählthaben, ohne einer andern Richtung zu folgen, als der, auf wel-cher sie das Pferd nach eigner Lust davontrug, so weit in denWald geflohen, daß sie die Stelle, wo sie hineingekommenwar, nicht mehr erkennen konnte. Und so verbrachte denn