Pietro Boccamazza und Agn stella. 127
hatte, als auch schon ein Dutzend Bewaffneter herauskam,um ihnen den Weg zu versperren. Das Mädchen, dassie zuerst, doch aber nicht eher gewahr ward, als bis sieihnen schon ganz nahe waren, rief laut: „Pietro, rettenwir uns, wir werden überfallen," und mit diesen Wortentrieb sie ihr Pferd so schnell, als sie nur konnte, nach einembenachbarten großen Wald zu, und drückte dabei, wahrendsie mit beiden Händen sich fest an den Sattelknopf hielt,dem Rosse die Sporen so tief in den Leib, daß dieses sievom Schmerz beflügelt, im schnellsten Laufe durch denWald dahin trug. Da indeß Pietro seine Augen mehrauf die Züge der Geliebten als auf den Weg gerichtet, so hatteerden bewaffneten Haufen, der auf jene zukam, nicht sobalderblickt als jene, und wurde daher, während er sich noch um-sah, von welcher Seite die Räuber denn kamen, von ih-nen überfallen, gefangen und seines Pferdes beraubt.
Als er nun auf ihre Frage sich ihnen genannthatte, hielten sie untereinander Rath über ihn undder Eine sagte zum Andern: „Der gehört zu den Freun-den unserer Feinde; was können wir Besseres mitihm anfangen, als daß wir seine Kleider und das Pferdbehalten und ihn dann den Orsini's zum Verdruß an einedieser Eichen henken?" Alle stimmten mit diesem Vor-schlag überein und befahlen daher dem Pietro, sich zuentkleiden. Während aber dieser in der Todesangst sichanschickte, ihren Befehlen zu gehorchen, geschah es, daßein Hinterhalt von wol einem Viertelhundert Bewaffneterplötzlich mit dem Rufe: „Ihr seid des Todes!" über jeneersten herfiel. Diese nun ließen im Schrecken wegen desUeberfalls den Pietro los und wandten sich gegen die An-greifenden, vor deren offenbarer Ueberzahl sie jedoch als-bald die Flucht ergriffen, auf der jene sie verfolgten.
Als Pietro sich auf diese Weise frei sah, suchte er sich seineSachen wieder zusammen, bestieg sein Pferd und jagte, soschnell er konnte, nach der Seite hin, wo er das Mädchenhatte verschwinden sehn. Da er aber in dem Walde weder