122 Fünfter Tag. Zweite Geschichte.
Eure Gegner die Pfeile, die die Euren abgeschossen ha-ben, nicht gebrauchen können, weil die dicken Sehnenihrer Bogen, die kleinen Kerben Eurer Pfeile, nicht zufassen im Stande sind, während umgekehrt den Euri-gen bei ihren feinen Sehnen die weitgekerbten Pfeileder Feinde treffliche Dienste leisten werden. So werdendann also Eure Schützen reichliches Geschoß haben, wenndie Andren schon gänzlichen Mangel daran leiden."
Dem Könige, der ein verständiger Herr war, leuchtete derRath des Martuccio ein, und in der That trug er auch durchdessen völlige Befolgung den Sieg über seine Feinde da-von. Natürlich gelangte Martuccio dadurch in seine be-sondere Gunst und gewann Ansehen und Reichthümer.
Das Gerücht von diesen Ereignissen ging durch das Landund auch zu Eostanza's Ohren kam die Nachricht, daßMartuccio, den sie lange für todt gelaubt hatte, noch amLeben sei. Da entzündete sich die Liebe für ihn, die inihrem Herzen schon minder heftig zu brennen angefangenhatte, Plötzlich zu neuen gewaltigeren Flammen und erwecktedie schon verblichene Hoffnung aus ihrem Todesschlaf. Soentschloß sie sich denn, der trefflichen Frau, bei der siewohnte, ihr ganzes Schicksal vollständig zu eröffnen, undsagte ihr dabei, wie sie nach Tunis zu reisen wünsche,um dort die Augen an dem Anblick zu sättigen, zu demdurch die vernommenen Kunden die Ohren ihr Verlangenaufs Neue geweckt hätten. Die wackere Dame billigtevollkommen ihren Entschluß, machte sich mit der Sorg-samkeit einer Mutter zu Schiffe mit ihr auf den Wegnach Tunis und Beide wurden dort in dem Hause einerVerwandtin ehrenvoll ausgenommen. Kaum angelangtsandte Costanza die Carapresa, von der sie ebenfalls sichhatte begleiten lassen, aus, um Nachrichten über Mar-tuccio einzuziehen, worauf diese schnell die Kunde von sei-nem Leben und dem großen Ansehen, in dem er stehe,zurückbrachte.
Die edle Saracenin ließ es sich nicht nehmen, dem