Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
120
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120 Fünfter Tag. Zweite Geschichte.

gleich Costanzen, die sich in einen Mantel der Altenganz einhüllen mußte, nach Susa. Hier angelangt, sagtesie:Constanza, ich werde Dich in das Haus einer treff-lichen Saracenin bringen, die mir gar oft allerhand Be-sorgungen auftragt. Sie ist alt und mitleidigen Gemü-thcs. Ihr werde ich Dich empfehlen, so sehr als ich nurweiß und kann, und ich bin gewiß, daß sie Dich mitFreuden aufnehmen und gleich einer Tochter behandelnwird. Du aber mußt, so lange Du bei ihr sein wirst,nach Kräften Dich bemühn, ihre Zuneigung durch DeineDienste zu gewinnen, bis Gott Dir einst ein bessres LooSbereitet." Das gute Weib that, wie sie gesagt. Als dieSaracenin, die nachgerade bei Jahren war, ihre Wortevernommen, betrachtete sie die Züge des Mädchens undHub zu weinen an. Dann küßte sie Costanza's Stirn,ergriff sie bei der Hand und führte sie in ihr Haus ein,in welchem sie mit mehr andern Frauenzimmern ohnemännliche Gesellschaft wohnte und gemeinschaftlich mit je-nen mancherlei Handarbeiten in Seide, Palmenblättern undLeder verfertigte. In wenig Tagen eignete sich das Mädchendiese Fertigkeiten an, sodaß sie an den Arbeiten der klebri-gen Theil nehmen konnte, und nicht allein gewann siesich die Zuneigung und die herzliche Liebe der Andern in er-staunlichem Maße, sondern sie lernte auch, von ihren Gefähr-tinnen unterwiesen, in kurzer Zeit die Sprache des Landes.

Während nun das Mädchen, das man inzwischenin Lipari schon als verloren und gestorben beweint hatte,noch in Susa verweilte, geschah es, daß ein junger Fürst ,von Granada, der mit großen eigenen Hülfsmitteln eine Iangesehene Verwandtschaft verband, unter dem Vorgeben, kdaß das Königreich Tunis ihm zukomme, ein äußerstzahlreiches Heer rüstete und mit diesem den damals re-gierenden König von Tunis, der Mariabdela hieß, um iihn aus seinem Reiche zu vertreiben, kriegerisch überzog, jAls diese Kunde dem Martuccio Gomito, der die Sprache,der Barbaresken wohl verstand, in seinem Gefängnisse zu i