Cosranza und Martuccio.
119
italienisch, wie sie so allein in dem Nachen dort angekom-men sei. Als das Mädchen die italienischen Worte ver-nahm, fürchtete'sie, der Wind möchte sich gewandt undsie nach Lipari zurückgeführt haben. Schnell richtete siesich auf, blickte umher, und wie sie nun sich am Landesah und dennoch die Gegend nicht kannte, fragte sie dasgute Weib, wo sic denn sei. „Meine Tochter, Du bistnicht weit von Susa in der Berberei," entgegnete dieAlte. Das Mädchen betrübte sich bei dieser Nachrichtsehr, daß Gott ihr nicht den Tod habe senden wollen. Zu-gleich fürchtete sie sich aber auch vor Schande, und sosetzte sie sich in völliger Rathlosigkeit bei ihrem Kahnenieder und weinte. Das gute Weib erbarmte dieser An-blick, und sie redete dem Mädchen so lange zu, bis dieseihr in ihre kleine Hütte folgte und ihr dort nach vielem, Bitten erzählte, auf welche Weise sie an jenes Ufer ge-kommen sei. Da sie nun durch diese Erzählung erfuhr,jene sei noch nüchtern, trug sie ihr von ihrem harten Broteund ein wenig Fisch und Wasser auf, und brachte es durch lan-ges Zureden endlich dahin, daß sie ein wenig davon zu sichnahm. Dann fragte Costanza das gute Weib, wer siesei, daß sie so italienisch rede. Diese antwortete, sie seivon Trapani, heiße Carapresa und bediene hier einige christ-liche Fischer. So betrübt das Mädchen war, und so we-nig sie selber über das Gefühl sich Rechenschaft zu gebenvermochte, nahm sie doch den Namen Carapresa, sobaldsie ihn gehört hatte, für ein gutes Zeichen, und sing, ohnezu wissen worauf, doch wieder zu hoffen an und ließ inihrem Todesverlangen ein wenig nach. Dem gutem Weibeentdeckte sie indeß weder wer, noch woher sie sei, sondernbat sie nur auf das herzlichste, um Gottes Willen Erbarmenmit ihrer Jugend zu haben und ihr Rath zu geben, wie sieden Beschimpfungen, denen sie ausgesetzt sei, entgehen könne.
Carapresa, die ein wackeres Weib war, ging nachdiesen Worten, während das Mädchen in der Hütteblieb, schnell die Netze heimzuholen und führte dann so-