118 Fünfter Tag. Zweite Geschichte.
Segel und Rudern noch vollständig versehen war. Diesenbestieg sie sogleich und spannte, sobald sie sich mit denRudern ein wenig in das Meer hinausgearbeitet hatte,vermöge der Geschicklichkeit im Schiffen, die sie mit derMehrzahl der Bewohnerinnen jener Insel einigermaßenthcilte, die Segel auf, warf Steuer sowol als Ruderfort, und überließ sich dann dem Winde mit der Ueberzeu-gung, daß das unbelastete und lenkungslose Fahrzeug noth-wcndig entweder Umschlagen, oder auf einen Felsen ge-worfen und zerschmettert werden würde, wo sie dann, selbstwenn sie sich retten wollte, es zu thun nicht vermöchte,sondern in aller Weise ertrinken müßte. Darauf hüllte sieden Kopf in ihren Mantel und legte sich weinend aufden Boden des Nachens nieder.
Alles dies aber trug sich anders zu, als sie cs sich vorgestellthatte. Da nämlich der Wind gerade aus Norden blies undziemlich schwach war, auch das Meer durchaus nicht hoch ging,so blieb das Schiffchen unversehrt und wurde an dem Tage,der auf die Nacht, wo das Mädchen vom Lande gestoßenwar, folgte, gegen Abend wol hundert Meilen über Tunisnicht weit von einer Stadt, Namens Susa, ans Landgetrieben. Costanza, die die ganze Zeit ihr Haupt umkeinerlei Anlaß erhoben hatte und auch ferner so zu thungedachte, wurde nicht gewahr, daß sie nun wieder amLande statt auf der See sei. Zufällig war aber, geradeals der Kahn ans Ufer stieß, dort ein armes Weib amStrande, das die zum Trocknen ausgebreiteten Netze derSchiffer, denen sie angehörte, wieder auflas. Wie dieseden Kahn erblickte, wunderte sie sich, daß man ihn mitaufgezogenem Segel habe ans Land laufen lassen. Dasie jedoch vermuthete, die Fischer darin möchten wol schla-fen, ging sie hin, sie aufzuwecken. Sie fand aber Nie-mand als das Mädchen, die im festen Schlafe lag underst nach vielem Rusen wieder zu sich kam.
Inzwischen hatte das Fischerweib Costanzen schon an ihrenKleidern für eine Christin erkannt und fragte sie deshalb auf