112 Fünfter Tag. Erste Geschichte-
chen Kosten und Gastereien für die Zukunft zu entgehen, denDormisdas, wo möglich, zugleich mit heirathen zu lassen.Zu dem Ende knüpfte er die Unterhandlungen mit Cas-sandra's Eltern wieder an und führte sie so weit zumZiele, daß an demselben Tage, an dem Pasimundas mitIphigenien sich verbände, auch Hormisdas seine Hochzeitmit Cassandren feiern sollte. Dem Lystmachus misfieldieser Entschluß, der ihm alle seine Hoffnungen zu rau-ben schien, ausnehmend, denn bisher hatte er fortwährendgedacht, wenn Hvrmisdas sie nicht erhalte, werde sie ihmnoch zu Theil werden. Verständig aber, wie er war,
hielt er seinen Unmuth innerlich verborgen und dachtevielmehr darüber nach, wie er die Ausführung jenerPläne vielleicht noch hindern könne; doch wußte er kei-nen möglichen Ausweg zu erkennen, als nur den einen,sie zu rauben. Dies zu thun, schien ihm nun freilichvermöge seines Amtes besonders leicht; auf der anderenSeite dünkte es ihm aber auch gerade wegen jener Würdkdesto unziemlicher. Endlich trug indeß nach langem innerenKampfe die Liebe über die Ziemlichkeit den Sieg davon,und er beschloß, was immer daraus entstehen möchte,Cassandren zu rauben. Und während er über die Ge-hüsten, die er sich erwählen mußte, und über die Ander Ausführung nachdachte, erinnerte er sich des Cimon,den er mit seinen Gefährten im Gefängniß hielt, undes leuchtete ihm ein, daß er in dieser Angelegenheit keinenbesseren und treueren Gehülfen, als eben den Eimenwürde finden können. Zu dem Ende berief er ihn in dernächsten Nacht insgeheim auf sein Zimmer und Hub fol-gendermaßen zu ihm zu reden an: „Cimon, wie die Götterihre Gaben gütig und freigebig an die Menschen verthei-len, so wissen sie auch die Tugenden der Menschen aufdas genaueste zu prüfen und würdigen alsdann Diejeni-gen, die sie bei allem Wechsel des Schicksals standhaftund unerschütterlich finden, ihres höheren Werthes wegen,auch der Gelegenheit, sich noch höhere Verdienste zu er-