Scheintod des Ruggieri von Jeroli. 93
und, so viel ich erfahren habe, ist weder Freund nochVerwandter für ihn aufgestanden, noch ist Hoffnung, daßes in Zukunft geschehen werde. So glaubt man dennmit Gewißheit, der Blutrichtcr werde ihn morgen hangenlassen! Außerdem will ich Euch aber eine Neuigkeit er-zählen, aus der ich zu errathen glaube, wie er in dasHaus der Wucherer gekommen ist. Damit verhalt es sichnämlich so: Ihr kennt ja den Tischler, vor dessenHause der Kasten stand, in den wir den Ruggieri thaten.Diesen nun traf ich eben in dem heftigsten Wortwechselmit einem Andern, dem der Kasten vermuthlich gehörenmuß. Der verlangte das Geld für den Kasten, der Mei-ster aber antwortete, er habe ihn nicht verkauft, sonderner sei ihm die vorige Nacht gestohlen worden. Darausentgegnete Jener wieder: „Das lügst Du; denn Du hastihn an die zwei Wucherer verkauft, wie sie mir selberheute früh erzählt haben, als ich ihn bei Ruggieri's Fest-nehmung in ihrem Hause sah." Der Tischler erwiderte:„Da lügen sie, und ich habe ihn nicht an sie verkauft,wol aber mögen sie ihn diese Nacht bei mir gestohlenhaben. Darum wollen wir gleich zu ihnen hingehen."Und so gingen sie friedlich miteinander in das Haus derWucherer, ich aber eilte nach Hause. So scheint mirdenn, wie auch Ihr schon durchschaut haben werdet, klar,auf welche Weise Ruggieri in jenes Haus gebracht ist, indem er gefangen wurde; wie er aber dort auserstanden ist,das weiß ich noch nicht zu begreifen."
Die Dame erkannte indeß nun den ganzen Zusam-menhang der Sache vollkommen und erzählte auch derDienerin, was sie von ihrem Manne gehört hatte; dannaber bat sie dieselbe inständig, zu Ruggieri's Rettung mit-zuwirken, da sie, wenn sie wollte, zu gleicher Zeit Rug-gieri's Leben und die Ehre ihrer Gebieterin erhalten könne.Die Magd erwiderte: „Madonna, sagt mir nur wie, undich will ja gern Alles thun."
Die Dame, der das Messer an der Kehle saß, hatte