Scheintod des Ruggieri von Jeroli. 91
Ruggieri war über das Umstürzen des Kastens gewaltigerschrocken; da er aber gewahr wurde, es sei derselbe vondem Falle aufgesprungen, zog er es vor, auf allen Fallsich lieber draußen, als dort drinnen betreffen zu lassen.Weil er nun nicht recht wußte, wo er sei, und dasEine durch das Andere brachte, sing er an im Hauseumherzutappen, um zu sehen, ob er keine Treppe oderThür zum Entwischen finde. Die Frauenzimmer, die nochwach waren, horten dies Tappen und riefen: „Wer da?"Ruggieri gab aber, da er die Stimmen nicht erkannte, keineAntwort. Nun riefen die Weiber den beiden jungenMännern; doch diese schliefen, weil sie lange aufgebliebenwaren, gar fest und vernahmen von allem diesen Lärmennichts. Dadurch wurden denn die Frauenzimmer nochfurchtsamer und sprangen auf und liefen ans Fenster undschrien: „Diebe, Diebe!" Ueber das Geschrei kamen dieNachbaren auf verschiedenen Wegen, der Eine über dasDach, der Eine hier und der Andere dort herum in dasHaus gelaufen, und auch die jungen Männer wachtenüber dem Lärm nun gleichfalls auf. Da nahmen sie dennden Ruggieri, der, vor Verwunderung, sich in jenemHaufe zu befinden, fast die Besinnung verloren hatte undkeinen Ausweg sah, auf dem er hätte entfliehen könnenoder sollen, gefangen und übergaben ihn den Lanzenknech-ten des Statthalters von Salerno, die über dem Auflaufebereits herbeigeeilt waren. Diese führten ihn vor ihrenGebieter, der dem Ruggieri, weil er allgemein für einengar ruchlosen Menschen galt, sogleich die Tortur gebenließ. Ruggieri gestand auch, er habe sich in das Hausder Wucherer geschlichen, um dort zu stehlen, und derStatthalter war gesonnen, ihn ohne lange Zögerung auf-hangen zu lassen.
Inzwischen verbreitete sich noch wahrend des Vor-mittags die Nachricht, daß Ruggieri im Haufe der Wu-cherer über dem Stehlen betroffen worden sei, durch ganzSalerno und drang auch zu den Ohren der Dame und