Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

89

Scheintod des Ruggicri von Jeroli.

der Werkstätte unseres Nachbaren, des Tischlers, gegen-über, einen Kasten von mäßiger Größe stehen, der, wennder Meister ihn nicht wieder in sein Haus genommen hat,uns zu unserem Vorhaben trefflich zu Statten kommenwird. Da können wir ihn Hineinthun, ihm zwei oderdrei Messerstiche versetzen und ihn dann ruhig liegen lassen.Wer ihn alsdann dort finden wird, kann unmöglich einenGrund haben zu glauben, daß er von hieraus und nichtanderswoher dahingebracht sei; sondern wird vielmehr vor-aussetzen, daß einer seiner Feinde ihn, als einen übermü-thigen Menschen, auf bösen Wegen betroffen, ermordetund dann in einen Kasten gethan habe."

Die Dame billigte den Rath der Dienerin, bis aufdie Messerstiche, die diese ihm geben wollte; denn daszu thun, sagte sie, würde sie um nichts in der Welt übersich gewinnen können. So ließ sie denn die DienerinNachsehen, ob der Kasten noch dastehe, worauf diese einebejahende Antwort zurückbrachte. Dann nahm die Magd,die jugendkrästig war, den Ruggieri auf die Schultern,wobei ihr die Dame behülflich war und nun vorausging,um Acht zu haben, ob Jemand käme. So brachten sieden vermeintlichen Tobten zu dem Kasten, thaten ihnhinein und ließen ihn, nachdem sie jenen wieder verschlos-sen, ruhig darin zurück.

Nicht weit von eben diesem Hause waren seit einigenTagen ein paar junge Männer eingezogcn, die auf wu-cherliche Zinsen liehen, und im Verlangen, viel zu gewin-nen und wenig auszugeben, als sie den Tag zuvor jenenKasten gesehen, sich miteinander verabredet hatten, ihremBedürfnisse nach Hausgeräthe abzuhelfen und ihn, wenner die Nacht über dort bliebe, in ihr Haus zu tragen.Als nun Mitternacht gekommen war, schlichen sie sich ausihrem Hause und nahmen den Kasten, den sie noch anseinem Platze fanden, ob er ihnen gleich ein wenig schwervorkam, dennoch, ohne sich auf weitere Untersuchung ein-zulassen, eilig mit zurück und stellten ihn neben der Kammer,