Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
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Vierter Tag. Zehnte Geschichte.

schlafen wolltest, mußtest Du zu Hause gehen und nichtzu mir kommen." Von diesem Rütteln siel Ruggieri vondem Kasten, auf dem er gesessen, zu Boden und gabdabei nicht mehr Lebenszeichen von sich, als der Körpereines Tobten gethan haben würde. Darüber erschrak dieDame ein wenig und schüttelte ihn, als sie ihn wiederaufgerichtet, noch heftiger als zuvor, kniff ihn an der Naseund zupfte ihn am Bart; aber Alles war umsonst, denner hatte den Gaul an einen guten Pflock gebunden. DieDame sing nachgerade zu fürchten an, er möge todt sein;doch ließ sie sich dadurch nicht abhalten, ihn nach Kräf-ten zu zwicken und mit einem Lichte zu brennen. Alser sich aber noch immer nicht regte, glaubte die gute Frau,die trotz der ärztlichen Kenntnisse ihres Mannes keine Heil-kundige war, nicht mehr zweifeln zu dürfen, daß Ruggieritodt sei. Wie sehr sie sich darüber betrübte, darf ich nichterst sagen, da sie ihn über Alles lieb hatte. So Hub siedenn, da sie kein Geräusch zu machen sich getraute, ihnin aller Stille zu beweinen und über ein so herbes Schick-sal sich zu beklagen an.

Nach einiger Zeit aber bedachte sie, daß sie ihrem Un-glücke nicht noch Schande hinzufügen dürfe, und fühltewol, daß sie zu dem Ende ohne Verzug ein Mittel fin-den müsse, den Tobten sich aus dem Haufe zu schaffen.Da sie sich aber selber keinerlei Rath dazu wußte, rief sieinsgeheim ihre Dienerin, zeigte ihr das Misgeschick, dassie betroffen, und sprach sie um ihren Beistand an. DieDienerin erschrak nicht wenig und sagte, nachdem sie ihnebenfalls vergebens gezogen und gezwickt hatte, sowol alsihre Gebieterin, daß er ohne allen Zweifel todt sei. Auchhielt sie, wie Jene, dafür, man müsse ihn aus demHause bringen. Die Dame entgcgnete:Wo sollen wirihn aber hinschaffen, daß nicht bei Denen, die ihn mor-gen früh finden werden, der Verdacht entstehe, er sei aus'unserem Hause herausgetragen?" Das Mädchen er-widerte jedoch:Madonna, ich sah erst heute Abend spät,