84 Vierter Lag- Zehnte Geschichte.
blick zu zögern, rücklings aus einem hinter ihr befindlichenFenster. Da dies Fenster hoch über dem Boden war,blieb die Dame von dem Sturze nicht allein auf derStelle todt, sondern ihr Körper war auch fast ganz zer-schmettert.
Ueber diesen Anblick erschrak Herr Guillem sehr undglaubte nun selber übel gethan zu haben. So ließ erdenn, in der Furcht vor der Rache des Volks und desGrafen von Provence, die Pferde satteln und floh. Amandern Morgen war der Hergang der Sache schon in derganzen Gegend bekannt. Die Leute vom Schlosse desHerrn Guillem Cabestaing, wie von dem der Dame, ho-ben unter unzähligen Thranen und Wehklagen die beidenLeichen auf und bestatteten sie in der der Dame gehöri-gen Burgkapelle in eine gemeinschaftliche Gruft. Darüberwurde in Versen der Name der daselbst Begrabenen undArt und Ursache ihres Todes beschrieben."
Zehnte Geschichte.
Die Frau eines Arztes legt ihren Geliebten, der einen Schlaf-trunk genommen, den sie aber für todt hält, in einen Kasten, de»zwei Wucherer mit dem Scheintodten in ihr Haus tragen. Letzterererholt sich und wird als Dieb gefangen. Die Dienerin der Frauredet dem Richter vor, sie habe Jenen in den Kasten gelegt, dendie Wucherer gestohlen, und so wird er vom Galgen gerettet, dieWucherer aber werden wegen des Kastendiebstahls mit einer Geld-strafe belegt.
Alls nun der König seine Geschichte beendet, lag es alleindem Dioneus noch ob, seine Pflicht zu erfüllen. Und sobegann er denn, im Bewußtsein derselben und auf Geheiß