Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
81
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Guillem Cabestaing u d. Dame v. Roussillon. 81

ohne seine Freundschaft und Waffenbrüderschaft mit HerrnGuillem Roussillon zu berücksichtigen, sich in dessen schöneund liebenswürdige Gemahlin über die Maßen verliebte.Auch wußte er diese Liebe in seinem Betragen auf man-cherlei Weise der Dame an den Tag zu legen, sodaß sieseine Gefühle erriech und, da sie wußte, welch ein wacke-rer Ritter er sei, an ihm Gefallen fand, ja endlich solch'eine Liebe zu ihm faßte, daß sie ihn über Alles begehrteund liebte und nur darauf wartete, daß er sie um ihreGunstbczeugungen anspräche. Dies geschah denn bald ge-nug und so hatten sie in großer gegenseitiger Liebe öftereZusammenkünfte. Weil sie aber nicht mit genügenderVorsicht verfuhren, wurde der Mann ihr Einverständnisgewahr und gerieth darüber in solchen Zorn, daß er seinefrühere Liebe zu Cabestaing nun in tödtlichen Haß ver-kehrte und, obwol er denselben besser zu verstecken wußteals das liebende Paar seine Neigung, Jenen umzubrin-gen beschloß.

Während sich nun Roussillon noch mit diesem Vor-sätze trug, wurde in Frankreich ein großes Turnier ange-sagt. Roussillon gab dem Cabestaing sogleich davon Nach-richt und ließ ihm sagen, wenn es ihm genehm sei, mögeer zu ihm kommen, damit sie sich gemeinschaftlich ent-schließen könnten, ob und wie sie jenes Turnier besuchenwollten. Cabestaing erwiderte voller Freude, er werde aufjeden Fall den folgenden Tag zum Abendessen kommen.Roussillon aber dachte bei dieser Antwort, nun sei die Zeitgekommen, wo er ihn umbringen könne. Und so be-waffnete er sich denn des andern Tages und ritt mit eini-gen seiner Diener etwa eine Miglie weit von seiner Burg,wo er sich an einer Stelle, an der Cabestaing vorübermußte, im Gebüsch verbarg. Er hatte schon eine langeWeile gewartet, als er den Cabestaing, der sich von ihmnichts Arges versah, unbewaffnet mit zwei gleichfalls un-bewaffneten Dienern des Weges kommen sah. Kaumwar dieser nun an der Stelle, wo Jener ihn haben wollte,

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