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Vierter Tag. Neunte Geschichte.
Neunte Geschichte.
Herr Guillem von Roussillon gibt seiner Frau das Herz des vonihm gctödteten Herrn Guillem von Cabestaing, den sie geliebt, zuessen. Sobald sie es erfahren, stürzt sie sich aus einem hohenFenster und wird mit ihrem Geliebten begraben.
Äls die Geschichte der Neiphile, nicht ohne lebhaftes Mit-leiden in den Freundinnen der Erzählerin geweckt zu ha-ben, beendet war, Hub der König, weil er des DioneusVorrecht nicht zu schmälern gedachte und weil sonst keinAnderer mehr zu erzählen hatte, also zu reden an: „Ihrmitleidigen Damen, ich erinnere mich einer Geschichte, dieEuch, wenn Ihr für die Unfälle der Liebenden so vielTheilnahme empfindet, nicht weniger rühren muß, als dievorige; denn Diejenigen, welchen geschah, was ich Euchberichten werde, standen höher und erfuhren noch Schreck-licheres, als dies in Neiphilens Geschichte der Fall war.
So wißt denn, daß, nach den Berichten der Proven-?alen, vor Zeiten in der Provence zwei edle Ritter lebten,deren Jeder über Schlösser und Lehnsmannen zu gebietenhatte und von denen der eine Herr Guillem Roussillon,der Andere aber Herr Guillem Cabestaing hieß. Weilnun der Eine wie der Andere mit besonderer Tapferkeitdie Waffen führte, waren sie sich sehr gewogen und pfleg-ten zu jedem Turniere, Lanzenrennen, oder sonstigem Waf-fenspiele miteinander und in gleicher Rüstung zu reiten.Da geschah es denn, daß, obgleich Jeder von ihnen Bei-den ein eigenes Schloß bewohnte und diese wol zehn Mi-glien auseinanderlagen, dennoch Herr Guillem Cabestaing,