Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
79
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Girolamo und Salvestra. 78

sich beim Anblicke des tobten Angesichtes in solches Mit-leid, daß Salvestra sich ganz mit dem Mantel verhüllteund zwischen den umstehenden Frauen sich so lange vor-drängte, bis sie zur Leiche gelangt war. Hier siel sie miteinem lauten Schrei auf das Gesicht des tobten Jünglingsnieder, badete es aber nicht mit vielen Thränen, denn siehatte es kaum berührt, als der Schmerz ihr das Lebennahm, wie er dem Girolamo früher das seine genommen.Die Frauen sprachen ihr, ohne sie erkannt zu haben, Trostzu und hießen ihr, sich ein wenig wieder aufzurichten; sieerhob sich aber nicht. Da wollten Jene sie mit Gewaltemporhebsn und erst, als sie sie unbeweglich fanden, er-kannten sie zugleich, daß sie Salvestra und daß sie todtsei. Von doppeltem Mitleiden über diesen neuen Unfallergriffen, erhoben alle gegenwärtigen Frauen nun ein nochviel größeres Wehklagen als zuvor. Dadurch verbreitetesich die Nachricht bis vor die Kirche, wo die Männerstanden, und als sie zu den Ohren von Salvestra's Manngelangte, der sich unter Jenen befand, weinte er lange,ohne von Jemandem Trost oder Zuspruch annehmen zuwollen. Dann aber erzählte er Vielen von den Gegen-wärtigen den Vorfall, der sich in der vergangenen Nachtzwischen dem jungen Manne und seiner Frau zugetragen,wodurch dann Allen die Ursache von dem Tode des Erste-ren offenbar und ihr Leidwesen noch um Vieles vermehrtward. Der Körper der jungen Frau wurde geschmückt,wie man die Tobten zu schmücken pflegt, alsdann aufdasselbe Bette neben dem Jünglinge niedergelegt und end-lich Beide, nachdem sie lange in jener Kirche beweintworden waren, in ein und demselben Begräbnisse bei-gesetzt.

Die also die Liebe im Leben nicht hatte vereinigenkönnen, verband nun der Tod mit unzertrennlichen Banden "