Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
78
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78 Vierter Lag. Achte Geschichte.

blick, stand der Mann auf und machte Licht an; dannbekleidete er, ohne mit der Frau, der ihre Unschuld zuHülfe kam, weiter über die Sache zu reden, die Leichemit des Verstorbenen eigenen Kleidern, nahm sie alsbaldauf die Schultern und trug sie bis an die Thür des Hau-ses, das Girolamo bewohnt hatte, wo er sie niederlegte.

Als darauf der Tag anbrach und der Tobte vor derPforte seines eigenen Hauses gefunden wurde, erhobenAlle, besonders aber die Mutter, ein großes Wehklagen.Man untersuchte und besichtigte den ganzen Körper; dasich aber keine Wunde und keine Quetschung fand, erklär-ten die Aerzte sammtlich, er müsse, wie er es wirklichwar, vor Gram gestorben sein. Als man den Körpervon dort hinweggenommen und in eine Kirche gebrachthatte, kam die betrübte Mutter mit vielen andern ver-wandten oder benachbarten Frauen und sie beweinten undbeklagten nach der Sitte unserer Stadt den Verstorbenengemeinschaftlich mit unzähligen Thränen.

Während nun diese Wehklagen in voller Heftigkeitanhielten, sagte der gute Mann, in dessen Hause der To-desfall geschehen war, zu Salvestra:Du möchtest docheinmal einen Mantel umnehmen und in die Kirche gehen,wo sie den Girolamo hingetragen haben. Stell' Du Dichunter die Frauen und merke auf, was über den Vorfallgeredet wird. Ich werde dasselbe unter den Männernthun, damit wir erfahren, ob die Leute über uns wassagen." Der jungen Frau, bei der das Mitleiden etwasspät nachgekommen war, gefiel der Vorschlag, da sie denJüngling, den sie, wäbrend er gelebt, nicht mit einemeinzigen Kusse hatte erfreuen wollen, nun er todt war,zu sehen wünschte, und so ging sie hin.

Wunderbar ist cs, wenn man bedenkt, wie schwer zuerforschen die Gewalt der Liebe ist. Dasselbe Herz, dassich dem Glücke des Girolamo nicht hatte aufthun wollen,ward nun von dessen Unglück erweicht. Alle die altenFlammen erwachten plötzlich aufs neue und verwandelten