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2 (1843)
Entstehung
Seite
77
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Girolamo und Salvestra- 77

und so ließ sie es, unter den Bedingungen, die er sichnuferlegt hatte, zu. Der Jüngling legte sich also nebensie nieder und berührte sie nicht, sondern richtete alle seineGedanken auf seine lange Ausdauer in der Liebe zu ihr,auf ihre gegenwärtige Grausamkeit und seine vernichtetenHoffnungen und beschloß nicht mehr leben zu wollen. Undso hielt er die Lebensgeister auf, preßte die Hände zusam-men und starb, ohne einen Laut von sich zu geben, anihrer Seite.

Die junge Frau wunderte sich inzwischen über seineEnthaltsamkeit und sagte nach einer Weile, aus Besorg-nis daß ihr Mann aufwachen möchte:Nun Girolamo,warum gehst Du denn noch nicht?" Da sie keine Ant-wort erhielt, glaubte sie, er möchte wol eingeschlafen sein,und streckte die Hand nach ihm aus und Hub ihn zuschütteln an, daß er aufwachen sollte. Als sie aber beider Berührung fühlte, er sei kalt wie Eis, verwundertesie sich ausnehmend, und wie er bei abermaligem stärkerenAnfaffen sich nicht bewegte, erkannte sie nach öfter wieder-holten Versuchen, daß er todt sei.

Voller Schrecken darüber wußte sie geraume Zeitlang durchaus nicht, was sie thun sollte, bis sie sich end-lich entschloß, ihren Mann dadurch über den Vorfall aus-zusorschen, daß sie ihm denselben unter erdichteten Namenvortrüge. Zu dem Ende weckte sie ihn, erzählte ihm, wassoeben hier geschehen war, als habe es sich in demHause eines Andern zugetragen, und fragte ihn alsdann,was er beschließen würde, wenn ihr dasselbe begegnete.Der gute Mann erwiderte, seinem Dafürhalten nach müsseman in einem solchen Falle den tobten Körper in derStille bis zu seiner Wohnung zurücktragen und ihn dortliegen lassen, ohne fernerhin der Frau, die ihm nicht ge-fehlt zu haben scheine, einigen Groll nachzutragen.Nun,"entgegnete die junge Frau,so laß uns denn dasselbe thun;"und damit nahm sie seine Hand und ließ ihn den tobtenjungen Mann anfühlen. Ganz erschrocken über diesen An-