Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
65
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Andreola's und Gabriotto's Träume. 65

begleitet, auf das Stadthaus und verlangte, sobald derPodesta ihm Alles berichtet, unwillig seine Tochter zurück.Der Podesta, der es für gerathen hielt, bevor die Damees thäte, sich selber wegen der Gewalt anzuklagen, die er- ihr hatte anthun wollen, lobte zuvörderst sie und ihreStandhaftigkeit, und gestand sodann, als besten Beleg fürjene, was er gethan habe, und mit welchem Erfolge. Daßer sie dabei so unerschütterlich gefunden, setzte er hinzu,habe ihm die wärmste Liebe zu ihr eingeflößt, und, wennes Herrn Negro, als ihrem Vater, und ihr selber genehmsei, werde er sie, trotz ihrer früheren Verbindung mit einemMenschen niedrigen Standes, gerne zur Frau nehmen.

Wahrend nun Beide noch so miteinander redeten, tratAndreola vor ihren Vater, warf sich weinend vor ihmnieder und sagte:Vater, ich glaube, es ist unnöthig,daß ich Euch die Geschichte meiner Verwegenheit undmeines Unglückes erzähle, denn gewiß habt Ihr sie bereitsvernommen und kennt sie zur Genüge. Darum bitte ichEuch denn, so innig und so demülhig als ich nur kann,um Verzeihung für mein Vergehen, daß ich ohne Euer> Wissen mir Den zum Manne genommen, der mir ambesten gefiel. Ich bitte Euch darum, nicht damit mir dasLeben geschenkt werdp, sondern damit ich als Eure Toch-ter und nicht als Eure Feindin sterben könne." Mit diesenWorten sank sie zu seinen Füßen weinend zu Boden.

Herr Negro, der schon bei Jahren und überhauptwohlwollenden und liebevollen Gemüthes war, begann beider Rede seiner Tochter zu weinen, richtete voller Zärtlich-keit sie weinend auf und sagte dann:Meine Tochter,freilich wäre es mir viel lieber gewesen, hattest Du einenMann gehabt, wie er nach meiner Ansicht sich für Dichgeziemt hätte. Wenn Du ihn aber auch nach DeinemGefallen gewählt hättest, so würde der. von Dir Erwähltenothwendig auch mir gefallen haben. Daß Du mir je-doch Deine Wahl verborgen, kränkt mich wegen Deinesgeringen Zutrauens zu mir. Noch mehr aber schmerzt es