Andrea la'S und Gabriotto's Träume. 61
selber aus, daß ich erst nachgesehen hatte. Was hat denndas Alles aber auf sich? Aehnliche und noch viel schreck-lichere Träume habe ich schon oft genug gehabt, ohnedaß mir darum der mindeste Unfall von der Welt zu-gestoßen wäre. Bekümmere Dich also nicht wegen derTräume, sondern laß uns allein unserem Glücke nach-gehen."
Die junge Dame, die schon über ihren Traum sosehr erschrocken war, wurde es über die Rede ihres Ge-liebten noch weit mehr; um ihn aber auf keine Weise zuverstimmen, verbarg sie ihre Angst so viel sie nur ver-mochte. Ob sie nun gleich ihren Gabriotto öfters um-armte und ihn küßte und auch in seinen Umarmungenund Küssen einige Freude fand, so fürchtete sie doch fort-während, ohne selber zu wissen was, blickte ihm häufigerals sonst ins Gesicht und sah sich zuweilen im Gartenum, ob nicht irgendwo etwas Schwarzes auf sie zukomme.
Während sie noch so miteinander weilten, seufzteGabriotto tief aus, umarmte sie und rief: „Ach, Gott,mein liebstes Herz, hilf mir, denn ick) sterbe;" und mitdiesen Worten siel er auf den Rasen der Wiese nieder.Sogleich hob ihn Andreola wieder auf, legte ihn sich inden Schoß und sagte fast unter Thränen: „Ach, meinsüßester Gebieter, um Gottes willen, was fehlt Euch denn?"Gabriotto antwortete nicht, sondern stöhnte heftig unterplötzlichem Schweiße, und es währte nicht lange, so ver-schied er.
Wie schmerzlich und wie betrübend dies der jungenDame sein mußte, die ihn mehr als sich selber liebte,wird sich eine Jede von Euch einbilden können. Langeweinte sie über ihn, und oftmals rief sie ihn vergebensbei Namen; als sie aber fühlte, daß er schon am ganzenLeibe kalt sei und sich dadurch überzeugte, er sei wirklichtodt, ging sie, da sie sich auf der Welt keinen Rathwußte, in aller ihrer Angst und mit nassen Augen, ihreDienerin, die die Vertraute dieser Liebe war, zu rufen