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Vierter Lag. Sechste Geschichte.
es sich, daß Einige von der Wache des Podest«, die zu-fällig um eben diese Zeit einer Amtsverrichtung nachgin-gen, ihnen begegneten, und die Leiche, die sie trugen, ge-wahr wurden. Als Andreola,. welcher der Tod willkom-mener gewesen wäre wie das Leben, die städtische Wacheerkannte, sagte sie unerschrocken: „Ich sehe wol, wer Ihrseid, und daß, fliehen zu wollen, nichts fruchten würde.Auch bin ich bereit, Euch vor die Obrigkeit zu folgen undihr zu berichten, wie es sich mit dieser Angelegenheit ver-halte. Soll ich aber nachher nicht über Euch Beschwerdeführen, so wage Niemand, so lange ich willig Euch folge,mich zu berühren, oder diese Leiche ihres Schmuckes inirgend etwas zu berauben." Zn Folge dieser Rede ge-langte sie, ohne daß Einer sich unterstanden hätte, sie zuberühren, oder die Leiche zu versehren, auf das Stadthaus.
Der Podest« stand, sobald es ihm gemeldet worden,auf und befragte sie in seinem Zimmer wegen des Vor-gefallenen. Auch ließ er den Leichnam von Aerzten unter-suchen, ob sich Spuren fänden, daß der arme Menschdurch Gift oder auf andere Weise umgebracht wäre. Alleverneinten es und erklärten, es sei ihm ein Geschwür inder Nähe des Herzens aufgebrochen und habe ihn erstickt.Als der Podest« diesen Ausspruch vernahm und erkannte,daß sie keines erheblichen Verbrechens geziehen werden könne,wollte er sich das Ansehen geben, als schenke er ihr, waser ihr doch nicht hatte verkaufen können, und versprachihr die Freiheit, im Falle sie zuvor seinen Lüsten nach-geben wolle. Weil aber diese Worte bei der Dame nichtsfruchteten, wollte er wider alles Fug und Recht Gewaltanwenden. Andreola indeß, der Zorn und Abscheu unge-wohnte Kräfte gaben, vertheidigte sich hartnäckig und über-häufte ihn mit Schimpfworten und Ausdrücken ihrer Ver-achtung.
Inzwischen war der Helle Tag angebrochen, und HerrNegro hatte zu seiner tiefsten Betrübniß das Gescheheneerfahren. Sogleich begab er sich, von vielen seiner Freunde