Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
56
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Vierter Tag. Fünfte Geschichte.

Majoran und Basilikum darin zieht, schüttete Erde dar-über und pflanzte einige schöne Stauden salernitanischesBasilikum hinein und begoß sie nicht anders als mitRosen- oder Orangenwasser, oder mit ihren Thranen.Dabei pflegte sie sich denn immer zu dem Blumentopfzu setzen und das Gefäß, das ihren Lorenzo verborgenkielt, mit inniger Sehnsucht zu betrachten. Hatte sie ihnlange so angeschaut, so trat sie wieder heran und weinteso lange über ihn hingebeugt, bis sie das ganze Basilikumbegossen hatte. Sowol durch die lange und ununterbro-chene Pflege, als durch die Fruchtbarkeit, die der ver-wesende Kops dem Erdreiche mittheilte, wurde die Pflanzewunderschön und duftete köstlich.

Da das junge Mädchen immer in dieser Weise fort-fuhr, wurde sie öfters von den Nachbaren dabei beobachtet.Diese aber sagten zu ihren Brüdern, die sich darüber ver-wunderten, daß ihre Schönheit verginge und ihre Augenaussähen, als seien sie im Kopfe verloschen:Wirhaben bemerkt, daß sie sich täglich so und so benimmt."Wie die Brüder dies hörten und, daß dem also sei, selberwahrnahmen, schalten sie sie einige Male deswegen undließen ihr, als das nichts Helsen wollte, endlich den Blu-mentopf heimlich wegnehmen. Als sie ihn vermißte, ver-langte sie viele Male auf das dringendste nach ihm; wiesie ihn aber doch nicht wieder bekam, wurde sie unter fort-währenden Thränen und Klagen krank und begehrte auchin der Krankheit nichts als ihren Blumentopf. Die Brü-der verwunderten sich über dies Verlangen und verfielendeshalb darauf, zu untersuchen, was darin sei. Sieschütteten also die Erde aus und fanden das Tuck, undin diesem den Kopf, der noch nicht so völlig vermodertwar, daß sie ihn an dem krausen Haarwuchs nicht fürden des Lorenzo erkannt hatten. Gewaltig darüber er-staunt, fürchteten sie, ihre That könnte ruchtbar werden,und verließen, ohne Jemanden davon zu sagen, sobald sieden Kopf vergraben hatten, vorsichtig die Stadt Messina