Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
59
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Andreola's und Gabriotto's Träume. 59

die jung und hübsch und unverheirathet war und sich zu-fälliger Weise iw einen ihrer Nachbaren verliebte, der Ga-briotto hieß und zwar von niedrigem Stande, aber vongar löblichen Sitten und schönem, wohlgefälligen Aus-sehen war. Auch wußte die junge Dame es durch Hülfeeines Mädchens, das im Hause diente, nicht allein dahinzu bringen, daß Gabriotto ihre Liebe zu ihm erfuhr, son-dern sie ließ ihn auch zu großem beiderseitigen Vergnügengar häufig zu sich in einen schönen Garten ihres Vatersführen. Und damit keine Macht außer dem Tode ihrewechselseitige Liebe zu trennen vermöchte, wurden sie heim-lich Mann und Frau.

Während sie nun auf solche Weise verstohlen ihre Zu-sammenkünfte fortsetztcn, geschah es, daß die junge Dame,schlafend eines Nachts, im Traume mit Gabriotto inihrem Garten zu sein und voller gegenseitiger Freude ihnin ihren Armen zu halten glaubte. Und als sie noch indieser Stellung verweilten, war es ihr, als sehe sie ausseinem Körper ein schwarzes scheusliches Ding herauskom-men, dessen Gestalt sie nicht erkennen konnte. Dannkam es ihr vor, als faßte dies Ding den Gabriotto undrisse ihn wider ihren Willen mit unglaublicher Kraft ausihren Armen und verschwände mit ihm unter die Erde,sodaß sie weder das Eine noch den Andern wieder zu sehenbekam. Darüber empfand sie so heftigen Schmerz, daßsie aufwachte; und, ob sie wol, erwacht, sich freute, daßdie Erscheinungen ihres Traumes verschwunden waren, er-füllte sie dennoch, was sie getraumet hatte, mit Angst.Deshalb bemühte sie sich, als Gabriotto die folgende Nachtzu ihr kommen wollte, so viel sie nur wußte, ihn fürdiesen Abend davon abzubringen. Da sie aber seinen festenWillen sah, gab sie, damit er sie nicht in anderem Ver-dacht haben möchte, nach, ihn die Nacht in ihrem Gar-ten zu empfangen.

So pflückten sie denn, da es eben die Jahreszeit war,.viel weiße und rothe Rosen und setzten sich dann mitein-

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