Lisabetta's Blumennapf. 5,5
Male sähest, mordeten mich Deine Brüder." Dann be-zeichnen er ihr noch die Stelle, wo Jene ihn verscharrthatten, wiederholte ihr, daß sie ihn nicht mehr rufen odererwarten solle, und verschwand. Das Mädchen erwachteund weinte bitterlich über ihr Traumgestcht, dem sie vollenGlauben beimaß.
Am andern Morgen hatte sie zwar nicht den Muth,ihren Brüdern etwas zu sagen, beschloß aber, an den be-zeichnten Ort zu gehen, um sich zu überzeugen, ob, wassie im Traume gesehen, Wahrheit sei. Sobald sie alsodie Erlaubniß erhalten hatte, in Begleitung eines Mäd-chens, die früher bei den Geschwistern gedient hatte undalle Geheimnisse Lisabetta's wußte, zu ihrem Vergnügeneinen Spaziergang vor die Stadt zu machen, ging sie anjene Stelle und grub nach, wo sie nach Wegräumungeiniger dürren Blätter, die daselbst den Boden bedeckten,die Erde am lockersten fand. ' Auch hatte sie noch nichtlange gegraben, als sie auf den noch völlig erhaltenen undunbeschädigten Körper ihres unglücklichen Geliebten stießund dadurch nur allzudeutlich die Wahrhaftigkeit ihresTraumgestchtes erkannte. Unaussprechlich über diese Ent-deckung betrübt, fühlte sie doch wol, daß sie ihren Thrä-nen hier nicht freien Lauf lassen dürfe, und hätte, wennes möglich gewesen wäre, gern den ganzen Körper mitsich genommen, um ihn geziemend zu begraben. Da sieaber davon die Unmöglichkeit einsah, trennte sie, so gutsie konnte, den Kopf mit einem Messer vom Rumpfe,gab ihn, in ein Handtuch gehüllt, nachdem sie den Restdes Körpers wieder mit Erde bedeckt, der Dienerin zu tra-gen und kehrte dann, ohne von Jemand gesehen zu sein,nach ihrer Wohnung zurück. Hier verschloß sie sich mitdem Kopfe in ihre Stube und weinte, über ihn hinge-neigt, so lange Zeit bitterlich, daß ihre Thränen, währendsie ihn mit tausend Küssen bedeckte, ihn völlig abwuschen.Dann legte sie ihn, mit einem sauberen Tuche umwun-den, in einen schönen Blumentopf, von der Art, wie man
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