Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
49
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Gerbino und die Prinzessin von Tunis. 49

für feige zu gelten, nach Messina, ließ dort sogleich zweileichte Galeeren bewaffnen, bemannte sie mit tapferen Leu-ten und steuerte damit gegen Sardinien, wo er vermuthete,daß das Schiff der Dame vorbeikommen müsse. Auchentsprach der Erfolg in Kurzem seinem Dafürhalten, dennkaum war er einige Tage hier angelangt, als das Schiffmit geringem Winde der Stelle, wo Gerbino, um zuwarten, beigelegt hatte, ziemlich nahe kam.

Sobald Gerbino das gewahr wurde, sagte er zu sei-nen Gefährten:Ihr Herren, seid Ihr so tüchtige Männer,wie ich Euch dafür halte, so denke ich, wird wol Keinerunter Euch sein, der die Liebe nicht gefühlt hätte odernoch fühlte, ohne die, nach meinem Dafürhalten, keinSterblicher einige Tugend oder sonstiges Gute in sich be-herbergen kann. Habt Ihr aber geliebt, oder liebt Ihrnoch, so wird es Euch leicht sein, meine Lage zu begrei-fen. Ich liebe; aus Liebe habe ich Euch zur gegenwärti-gen Unternehmung veranlaßt, und der Gegenstand meinerLiebe verweilt auf dem Schiffe, das Ihr hier vor Euchseht, auf welchem sich, außer dem Inbegriff meiner Wün-sche, die größten Reichthümer befinden, die wir, wennIhr anders tüchtige Leute seid, durch einen männlichenKampf mit leichter Mühe erobern können. Ich will indeßvon diesem Sieg kein ander Theil haben, als jenes Mäd-chen, der zu Liebe ich die Waffen ergriffen; alles Andereüberlasse ich Euch im Voraus auf das freiwilligste. Wolandenn, so laßt uns jenes Schiff mit sicherem Erfolge an-greifen. Gott selber zeigt sich unserem Unternehmen gün-stig und halt es uns durch völlige Windstille fest."

Die vielen Worte des schönen Gerbino wären nichteinmal nöthig gewesen, denn die Messinesen, die ihn be-gleiteten, führten, von Raubsucht entbrannt, in Gedankenschon aus, wozu er sie noch mit Worten ermahnte. Ausdiesem Grunde erhoben sie zu Ende seiner Rede ein lautesGeschrei und stießen zum Zeichen ihrer Gesinnung in dieTrompeten. Dann griffen sie zu den Waffen, tauchten

Dekameron. II. 3