Rcstagnon, Ninettc und deren Schwestern. 43
erlangen zu können, den Hof gemacht hatte, der Gedankeein, wenn sie dem Herzoge zu Willen wäre, würde sicdie Schwester vom Feuertods retten können, und demzu-folge ließ sie ihm durch einen schlauen Boten wissen, wenner ihr zwei Dinge gewähre, wolle sie alle seine Befehleerfüllen. Das erste, daß sie ihre Schwester frei und un-versehrt wicderbekomme, das zweite, daß dieses Abkommengeheim bleibe.
Als der Herzog die Botschaft vernahm, gefiel sie ihmwohl, und obgleich er sich lange besann, ob er es thunsolle, ging er am Ende doch darauf ein und sagte, er seibereit. Zu dem Ende ließ er, nach vorgängiger Verab-redung mit der Dame, eine Nacht Folquet und Uc, alsob er sich bei ihnen über den Tod ihres Bruders weiterunterrichten wolle, aufheben und nahm inzwischen heim-lich bei Madelon sein Nachtquartier. Schon zuvor hatteer gethan, als habe er Ninetten in einen Sack gesteckt,um sie noch dieselbe Nacht im Meere säcken zu lasse»,nun aber führte er sie zu ihrer Schwester zurück, schenktesie dieser zum Danke für die genossene Nacht und batam Morgen beim Scheiden die Madela, sie möge dieseNacht nicht, wie sie die erste in ihrer Liebe gewesen war,die letzte sein lassen. Ueberdies empfahl er ihr noch, dieSchuldige fortzubringett, damit nicht entweder ihre Straf-losigkeit ihm zur Schande gereichte, oder er gezwungenwürde, mit neuer Strenge gegen sie zu verfahren. Amfolgenden Morgen hörten Folquet und Uc, Ninette sei dieNacht gesackt worden, maßen der Nachricht vollen Glau-ben bei und kehrten, als sie ohne Weiteres sreigelassenwaren, zu ihren Weibern zurück, um sie über den Todihrer Schwester zu trösten.
Ob nun gleich Madelon bemüht war, Ninetten ausdas sorgfältigste zu verbergen, so wurde Folquet doch ge-wahr, wo sie sei, und faßte, über ihre Rettung nichtwenig verwundert, sogleich Verdacht gegen Madelon, vonder ihm bereits zu Ohren gekommen war, daß der Her-