42 Vierter Tag. Dritte Geschichte.
Zorn verblendet, den Schimpf, den Restagnon, wie siewähnte, ihr angethan, nur durch dessen Tod abwaschcnzu können glaubte. Sie ließ sich zu dem Ende eine alteGriechin, die in der Bereitung der Gifte äußerst erfahrenwar, rufen und bewog sie durch Geschenke und durch Ver-sprechungen, ihr ein tödtliches Wasser zu bereiten, dasNinette dann, ohne sich mit irgend Jemandem zu berathen,eines Abends, als Restagnon erhitzt war und kein Argeshatte, diesem zu trinken gab. Die Kraft des Trankeswar so groß, daß Restagnon ihm noch vor dem Endeder Nacht erlag.
Als Folguct und Uc seinen Tod erfahren, beweintensie ihn, ohne zu wissen, daß er an Gift gestorben sei, mitihren Geliebten und mit Ninetten bitterlich, und ließen ihndann ehrenvoll zur Erde bestatten. Nun geschah es aber,daß nach wenigen Tagen die Alte, die Ninetten das ver-giftete Wasser bereitet, wegen anderer Schlechtigkeiten ver-haftet ward, und auf der Folter, unter ihren übrigenVerbrechen, auch dieses, unter genauer Angabe, wozu dasGift gedient habe, bekannte. Der Herzog von Kreta er-wähnte gegen Niemanden ein Wort von dieser Aussage,sondern umringte eines Nachts in der Stille das Schloßdes Folquet und führte Ninetten ohne Geräusch und Wi-derstand von dort gefangen mit sich fort. Diese wartetedie Folter nicht erst ab, sondern gestand sogleich, was derHerzog über Restagnon's Tod von ihr hören wollte. In-zwischen erfuhren Folquet und Uc unter der Hand vomHerzog, warum er Ninetten gefangen gefetzt, und vonihnen bekamen es ihre Frauen zu wissen. Die Nachrichtbetrübte sie Alle sehr, und sie boten auf, was sie nurwußten, um Ninetten vom Scheiterhaufen zu retten, zudem sie vermutheten, daß sie verdientermaßen verurtheiltwerden würde. Alles schien aber umsonst zu sein, undder Herzog bestand daraus, sie hinrichten zu lassen. Dakam der Madelon, die schön und jung war, und der derHerzog lange Zeit, ohne die mindeste Gefälligkeit von ihr