Restagnon, Ninette und deren Schwestern. 41
gedehnte und schöne Besitzungen kauften und, unweit derStadt Eandia, köstliche und anmuthige Wohnungen bau-ten. Hier lebten sie dann mit zahlreicher Dienerschaft,mit Hunden, Falken und Pferden, unter Gastgelagen,wie die größten Herren, mit ihren Geliebten, als die glück-lichsten Leute van der Welt, in lauter Herrlichkeit undFreuden.
Wahrend sie aber noch ein solches Leben führten, ge-schah es, daß, wie wir täglich den Leuten Dinge, dieihnen noch so sehr behagten, überdrüssig werden sehen,weil sie zu großen Ueberfluß daran haben, auch RestagnonNinetten, die er zärtlich geliebt hatte, nun sie ihm ohnealle Gefahr in Allem zu Willen sein konnte, satt zu be-kommen und ihr daher die gehörige Liebs nicht zu bewei-sen ansing. Darauf fand er bei einem Feste an einemjungen, schönen und edlen Mädchen, die dort einheimischwar, besonderes Behagen, ging ihr auf das angelegent-lichste nach und erschöpfte sich ihr zu Ehren in Huldi-gungen und Festlichkeiten.
Als Ninette das gewahr ward, wurde sie gegen Re-stagnon so eifersüchtig, daß er keinen Schritt mehr gehenkonnte, den sie nicht ausgekundschaftet, und über welchensie nicht ihm und sich nachher mit Vorwürfen und mitübler Laune das Leben sauer gemacht hatte. Wie aberdas Uebermaß der Dinge sie uns zum Ekel werden läßt,so vermehrt die Verweigerung der begehrten die Lust zuihnen, und so fachte Ninettens Verdruß in Restagnon'sHerzen die Flammen seiner neuen Liebe an. Wie es sichnun im Verlaufe der Zeit zugetragen haben mag, ob Re-stagnon die Freundschaft der geliebten Dame erlangt odernicht, das lassen wir unentschieden; genug Ninette glaubte,der Himmel weiß, auf wessen Bericht, für gewiß, es ver-halte sich so, verfiel darüber zunächst in tiefe Traurigkeit,dann in glühenden Zorn und gab sich endlich solch einerWuth hin, daß ihre bisherige Liebe für Restagnon sich inden bittersten Haß verwandelte, und daß sie, von ihrem