Restagnon, Ninette und deren Schwestern. 37
Euch von drei Paaren erzählen, dis sämmtlich nach kurzemGenüsse ihrer Liebe elendiglich umkamen." Und wie siedies gesagt hatte, begann sie folgendermaßen.
„Wie Ihr deutlich wahrnehmen könnt, Ihr jungenMädchen, gereicht ein jedes Laster leichtlich nicht alleinDemjenigen, der es begeht, sondern nicht selten auch An-dern zum größten Nachtheil; unter allen übrigen aberscheint mir der Zorn eines von denen zu sein, das ammeisten mit verhängten Zügeln uns in die Gefahren stürzt.Der Zorn, sage ich, der nichts Anders als eine plötzliche,unüberlegte Aufregung der Seele ist, die, durch einen Ver-druß veranlaßt, alle Vernunft von sich stößt, die geistigenAugen mit Finsterniß umhüllt und das Gemüth zu sie-dender Wuth entflammt. Ob nun gleich diese Leiden-schaft häufig an Männern wahrgenommen wird und denEinen mehr als den Andern beherrscht, hat man sie doch,und zwar mit nachtheiligeren Wirkungen, auch schon beiFrauen beobachtet; denn in ihnen entzündet sie sich leichter,brennt in ihnen mit einer lebhafteren Flamme und regiertsie mit minderer Scheu. Auch ist es kein Wunder,daß es sich so verhalt, denn, wollen wir Acht haben, sowerden wir finden, daß das Feuer seiner Natur nach dieleichten und weichen Dinge eher ergreift, als dis härterenund schwereren. Die Männer mögen es aber nicht übeldeuten: weicherund zarter als sie sind wir, und um Vielesleichtsinniger. Weil ich nun finde, daß wir zu diesemFehler geneigt sind, und weil ich zugleich erkenne, daßunsere Sanftmuth und Freundlichkeit eben so viel zu derRuhe und dem Glücke der Männer beiträgt, mit denenwir zu verkehren haben, als ihnen unser Zorn und unsereHeftigkeit lästig und gefährlich ist, will ich, damit wirmit um so festerem Willen uns vor jenen hüten, Euch inmeiner Geschichte die Liebesabenteuer dreier jungen Männerund eben so vieler Mädchen berichten, welche, wie ichschon früher erwähnte, durch den Zorn einer der Letzteren,aus vollem Glücke in das höchste Unglück verwandelt wurden.