Madonna Lisctta und der Engel Gabriel. 35,
daß Jeder, der den Engel Gabriel sehen wollte, auf denMarcusplatz kommen möchte. Bald nachdem dies ge-schehen war, führte er ihn heraus, ließ ihn vor sich Her-zchen, wahrend er ihn von hinten an der Kette hielt, undbrachte ihn so unter großem Lärmen Vieler, die fort-während riesen: — „Wer ist denn das?" auf den Platz,auf welchem theils an Denen, die ihnen nachgezogen, theilsan den Andern, welche die Bekanntmachung gehört, undvom Rialto herbcigekommen waren, eine unglaublicheMenschenmenge sich versammelt hatte. Wie er auf demPlatze war, band er an einer erhöhten Stelle seinen wil-den Mann an eine Säule und stellte sich, als ob er aufden Anfang der Jagd warte; den armen Alberto aberplagten indessen Fliegen und Bremsen, weil er mit Honigbestrichen war, auf das fürchterlichste. Sobald nun Jenerden Platz recht voller Leute sah, that er, als wolle erseinen wilden Mann loslassen, zog aber dem Bruder Al-berto die Larve vom Gesichte und sagte: „Ihr Herren,weil der Eber ausbleibt und aus der Jagd nichts werdenkann, so will ich, damit Ihr nicht umsonst gekommenseid, Euch den Engel Gabriel zeigen, der Nachts vomHimmel auf die Erde kommt, um dem Venezianer Frauen-zimmer die Zeit zu vertreiben." Wie die Larve herunterwar, wurde Bruder Alberto sogleich von Allen erkannt;allgemein erhob sich gegen ihn ein wüthendes Geschrei,und es wurden ihm die härtesten Dinge und die ärgstenSchimpfreden gesagt, mit denen jemals ein schlimmerGeselle überhäuft worden war; und noch überdies warfihm der Eine den, der Andere jenen Unrath ins Gesicht.Auf solche Weise hielten sie ihn eine lange Weile fest, bisendlich die Neuigkeit noch zum Glücke in sein Kloster ge-langte, worauf nicht weniger als sechs Mönche sich aufden Weg machten, die, als sie auf dem Platze ankamen,ihm eine Kutte Überwürfen, ihn lvsbanden und, nicht ohnegroßen Lärm hinter sich herzuziehen, ihn in ihre Wohnung