Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
30
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30 Vierter Tag. Zweite Geschichte.

Gestalt zu Euch kommt, so kann er nicht anders, alsdurch die Thür herein." Die gute Frau sagte, sie werdees besorgen, und Bruder Alberto empfahl sich; sie aberwarf sich, wie sie allein war, so in die Brust, daß ihr derHintere nicht ans Hemde langte, und es dünkten ihrtausend Jahre, bis der Engel Gabriel sie zu besuchenkäme.

Bruder Alberto hatte inzwischen, in der Meinung,daß er diese Nacht nicht sowol den Engel, als den tüch-tigen Reiter spielen müsse, um nicht allzuschnell aus demSattel gehoben zu werden, bereits angefangen, sich mitZuckerwerk und andern guten Dingen zu stärken. Dannließ er sich vom Kloster Urlaub geben und ging mit ei-nem andern Mönche in das Haus einer seiner Freun-dinnen, von welchem aus er in vorkommenden Fallenden Weiberlauf schon öfter begonnen. Als es ihm ander Zeit schien, begab er sich von dort in das Haus derLisetta, wo er sich zuvor mit allerhand Narrheiten, die ermitgebracht, als Engel verkleidete und dann hinauf indas Zimmer der jungen Frau ging. Als diese die weißeFigur eintreten sah, warf sie sich vor ihm auf die Knie;der Engel aber segnete sie, hieß sie aufstehen und winkteihr sich schlafen zu legen. Ihr kam dieses Geheiß nichtanders als gelegen, sie gehorchte mithin alsbald, und derEngel legte sich darauf neben seine Verehrerin. BruderAlberto war wohlgewachsen und kräftig, auch standen ihmdie Beine trefflich zu Leibe, und so lieferte er denn inFrau Lisetta's Armen, die ein festes Fleisch und weicheHaut hatte, ihr andere Beweise der Liebe, als sie vonihrem Manne gewohnt war. Auch ohne Flügel that'erdie Nacht über manchen Flug und erfreute dadurch diejunge Frau, der er noch überdem gar viel von der himm-lischen Herrlichkeit erzählte, ausnehmend.

Als endlich der Morgen herannahete, schied er, nachbesprochener Wiederkehr, mit seiner Engelsmaske und kehrtezu dem Klosterbruder zurück, dem inzwischen, damit er