Madonna Lisetta und der Engel Gabriel. 2!)
zu Gefallen, wahrend er Euch besucht, menschliche Gestaltannehmen. Zu dem Ende will er von Euch wissen, wannund in wessen Gestalt er zu Euch kommen soll. Sobalder darüber Auskunft hat, wird er kommen, und Ihrkönnt Euch für die glücklichste Frau von der Welt halten."
Frau Liese sagte darauf, es sei ihr sehr angenehm,wenn der Engel Gabriel sie liebte, denn sie hatte ihn auchrecht lieb, und sie kriegte ihn niemals abgebildet zu sehen,daß sie nicht ein Dreierlicht vor ihm anbrennte. JederZeit, wenn er sie besuchen wollte, würde er ihr willkom-men sein; sie würde ihn ganz allein auf ihrer Stube er-warten. Das bedinge sie sich aber aus, daß er sie nichtum die Jungfrau Maria im Stiche ließe. Man habeihr gesagt, daß er Der gar sehr gut sei, und es kommeihr selber so vor, denn überall, wo sie ihn sähe-, läge erimmer vor der Jungfrau auf den Knien. Im klebrigenmöchte er kommen, in was für einer Gestalt ihm beliebte,wenn sie nur nicht erschräke.
Dem entgegnete Bruder Alberto: „Madonna, wasIhr da sagt, ist sehr verständig, und ich werde mit demEngel schon Alles in Ordnung bringen, was Ihr mirauftragt. Ihr könntet mir aber eine große Gunst erzei-gen, die Euch nichts kostete. Die Gunst ist nämlich die,daß Ihr dem Engel in meiner Gestalt zu Euch kommenheißt. Nun will ich Euch aber auch sagen, warum daseine Gunst für mich ist. Nimmt er meine Gestalt an,so muß er mir die Seele aus dem Leibs holen und siederweilen ins Paradies versetzen; dann geht er in meinenKörper ein, und so lange er bei Euch bleibt, so langeweilt meine Seele im Paradiese." Darauf sagte Ma-donna Einfalt: „Gut, ich bin's zufrieden; so mögt Ihrdenn zur Entschädigung der Prügel, die ihr um meinet-willen bekommen, diese Freude haben." „So sorgt denn,"entgegnete Bruder Alberto, „daß er heute Nacht EureHausthür offen findet und ohne weiteres herein kann;denn, wenn er, wie er es doch thun soll, in menschlicher