Madonna Lisetta und der Engel Gabriel. 25
) Diejenigen zu tauschen suchen, die ihren Worten Glau-
r den beimessen. Dürfte ich nur, in Betreff ihrer, Alles
- offenbaren, was zu sagen wäre, so wollte ich manchen
* einfältigen Seelen bald klar machen, was jene in ihren
t weiten Capuzen verbergen. Wollte aber Gott, daß es
r ihnen Allen mit ihren Lügen so ginge, wie einem Mino-
' ritcn, der nicht mehr jung war, aber in Venedig für ei-
i nen der größten Casuisten galt, und dessen Geschichte ich
- besondere Lust habe, Euch zu erzählen, damit Ihr Eure
1 Gemüther, die noch von Mitleid über den Tod der Ghis-
5 monda erfüllt sind, vielleicht durch Scherz und Lachen
e einigermaßen wieder erholen mvget.
- In Jmola nämlich war einmal ein Mann, der ein
> gar ruchlos und sündhaftes Leben führte und Berto della
, Massa hieß. Wie seine Schändlichkeiten aber den Jmo-
, lesen bekannt wurden, kam es bald dahin, daß ihm in
- seiner Heimat Niemand mehr trauen wollte, selbst wenner die Wahrheit, geschweige denn, wenn er Lügen erzählte.
t So sah er denn wol ein, daß es in Jmola mit dem
' Riemchenstechen nicht mehr gehen wollte, siedelte deshalb
, nach Venedig, dem Sammelplätze aller Taugenichtse, über,
> und hoffte hier auf neue Art bessere Gelegenheit zu sin-
- den, als bisher anderwärts der Fall gewesen, um nach
, seiner Weise im Trüben zu fischen. Zu dem Ende stellte
, er sich über alle die schlechten Streiche, die er zuvor ge-
, macht, reuigen Gewissens, that, als habe sich eine un-
i sägliche Demuth seiner bemächtigt, wurde der frömmste
- Katholik aus der Welt und ließ sich zum Minoriten ein-
! kleiden, als welcher er Bruder Alberto von Jmola ge-
' nannt ward. In diesem seinem neuen Gewände begann
> er, dem Scheine nach, ein gar strenges Leben zu führen,
! empfahl Bußen und Enthaltsamkeit aus das nachdrücklichste
> und aß kein Fleisch und trank keinen Wein, — wenn ernämlich keinen hatte, der nach seinem Gcschmacke war.Dem Allen zufolge war fast Niemand gewahr worden,daß unser Mönch aus einem Diebe, Kuppler, Fälscher
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