Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24 Vierter Tag. Zweite Geschichte.

genossen, mit meinem Leben zu bezahlen glauben; unddaß ich so denke, kann Niemanden unter Euch Wundernehmen, da ich lebend immerwahrend tausend Tode er-leide, und mir darum doch nicht das kleinste TheilchenLust gewahrt wird. Doch will ich meine Lage für jetztnicht weiter berühren und gebe Pampineen aus, in denkläglichen Geschichten, die meinem Unglücke theilweis ähn-lich sind, fortzufahren. Wird sie dann der Weise, inwelcher Fiammetta angefangen hat, einigermaßen Nach-kommen, so darf ich sicher hoffen, daß ich meine Gluthdurch einige Thautropfen gemildert fühlen werde." AlsPampinea den an sie gerichteten Befehl vernahm, erkanntesie zufolge ihrer Freundschaft den Wunsch ihrer Gefähr-tinnen besser als den des Königs in seinen Worten. Sobeschloß sie denn, gesonnen Jene vielmehr zu erheitern,als, den Befehl selber abgerechnet, dem Könige zu folgen,ohne von der Aufgabe abzuweichen, eine lächerliche Ge-schichte zu erzählen, und begann also:

Das Volk hat ein Sprüchwort:Gilt ein Bösewichtfür gut, er kann Böses thun, und Niemand glaubt daran,"das mir nicht allein reichlichen Stoff, über Dasjenige,was mir aufgegeben ist, zu reden, leiht, sondern an demsich auch zeigen läßt, wie groß die Heuchelei der Geist-lichen ist, die mit ihren weiten und langen Gewändern,mit ihren künstlich gebleichten Gesichtern, mit ihrer Stimme,die sanft und demüthig ist, wenn sie fremdes Gut begehren,aber laut und ungestüm, wenn sie an Andern ihre eigenenLaster tadeln, oder wenn sie vorgeben, daß sie durch Neh-men, Andere aber durch Geben selig werden, ja daß sieüberall nicht wie Menschen sind, die gleich uns sich selberum ihre Seligkeit zu mühen haben, sondern wie Herrenund Besitzer des Paradieses, Jedem, der da stirbt, jenach der Summe Geldes, die er ihnen hinterläßt, einenmehr oder weniger vorzüglichen Platz in demselben ge-währen können, die mit allem Diesem, sage ich, zuerstsich selber, wenn sie anders daran glauben, und dann alle