Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
23
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Madonna Lisetta und der Engel Gabriel. 23

Gunst, daß, wenn Du nicht dulden wolltest, daß ich still-schweigend und verborgen mit Guiscardo lebte, nun meinLeib wenigstens mit dem seinen, wohin Du ihn immerhast werfen lassen, öffentlich zusammenruhe." Der Drangder Thränen gestattete dem Fürsten nicht zu antworten.Die Dame aber fühlte, daß ihr Ende gekommen sei,drückte noch ein Mal das tobte Herz an die Brust undsagte:Lebt mit Gott, ich scheide." Da verschleierten sichihre Augen, ihre Sinne schwanden, und sie schied ausdiesem Leben des Leidens.

Ein so trauriges Ende nahm, wie Ihr vernommen,Guiscardo's und Ghismonda's Liebe. Tancredi aber be-reute seine Grausamkeit zu spat mit vielen Thranen undließ die beiden Leichen, unter allgemeinem Bedauern derSalernitaner, ehrenvoll in einem und demselben Grabmalbestatten.

Zweite Geschichte.

Bruder Alberto redet einer Frau ein, daß der Engel Gabriel insie verliebt sei, und bcschläft sie mehrmals in dessen Namen. End-lich springt er, aus Furcht vor ihren Verwandten, aus dem Fen-ster und flüchtet sich in das Haus eines armen Mannes, der ihn,als wilden Mann verkleidet, am andern Tage auf den Markt-platz bringt, wo er erkannt, von seinen Klosterbrüdern festgchal-ten und ins Gefängnis gesetzt wird.

§)ie Geschichte, welche Fiammetta erzählt, hatte mehr-mals die Augen ihrer Gefährtinnen mit Thränen gefüllt;als sie nun aber zu Ende gediehen war, sagte der Königmit unfreundlichem Gesichte:Wohlfeilen Kaufes würdeich die Hälfte der Freuden, die Guiscardo und Ghismonda