Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
18
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18 Vierter Lag. Erste Geschichte.

Daß ich eben ihn mir ausersehen, scheinst Du, nochaußer meinem Fehltritte an sich (weil Du der gemeinenMeinung mehr als der Wahrheit nachgehst) mir mit be-sonderer Bitterkeit vorzuwerfen, wenn Du sagst, ich habemich mit einem Menschen geringen Standes eingelassen,als ob Du mir nicht gezürnt haben würdest, wenn ichmir einen Edelmann zu gleichem Umgänge gewählt hatte.Dabei berücksichtigst Du aber nicht, daß Du keineswegsmich eines Unrechts zeihest, sondern allein das Schicksal,welches nur allzuoft die Unwürdigen erhebt und die Wür-digsten in der Tiefe laßt. Aber schweigen wir jetzt davon,und fasse für einen Augenblick das Wesen der Dinge insAuge, so wirst Du erkennen, daß unser Aller Fleisch auseinem Stoffe besteht, und daß unsere Seelen alle vonein und demselben Schöpfer mit gleichen Fähigkeiten, glei-chen Anlagen und gleichen Eigenschaften ausgestattet wor-den sind. Erst die Tugend hat uns, die wir gleich ge-boren wurden und noch werden, unterschieden, und Die-jenigen, welche sie im höheren Grade besaßen oder übten,wurden edel genannt, während die Uebrigen unedel blieben.Wenn nun gleich späterhin widerstrebende Gebräuche diesesGrundgesetz verhüllt haben, so ist es darum weder aufge-hoben, noch aus der Natur und den edlen Sitten getilgt.Der also beweist unwiderleglich seinen Adel, der tugend-haft handelt, und wer ihn dann anders nennt, der ladetauf sich und nicht auf den fälschlich Benannten eineMakel. Thue Dich unter allen Deinen Edelleuten um,erwäge ihre Eigenschaften, ihre Sitten, ihr Betragen undstelle ihnen Guiscardo mit den seinigen gegenüber; willstDu dann leidenschaftlos richten, so mußt Du ihn hoch-adlich, Deine Edelleute alle aber gemein nennen."

Was übrigens Guiscardo's Tugenden und seinenWerth betrifft, so habe ich mich in Hinsicht ihrer aufNiemandes Urtheil, als allein auf Deine Worte undmeine Augen verlassen. Wer lobte ihn wol je so lebhaft,als Du ihn wegen alles Dessen gepriesen hast, was an