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Ghismonda und Guiscardo.
keit, getrieben. Da Du selber, Tancredi, von Fleisch undBlut bist, so mußtest Du wissen, Du habest eine Tochtererzeugt, die aus Fleisch und Blut und nicht aus Eisenoder Stein besteht; Du mußtest Dich erinnern und mußtes noch heute thun, obwol Du jetzt alt geworden bist, inwelcher Art und mit welcher Kraft die Gesetze der Naturdie Jugend bestürmen; und wenn Du gleich als Manneinen Theil Deiner besten Jahre in Waffenübungen ver-bracht hast, so konnte Dir doch nicht unbekannt sein, wasMuße und Ueberfluß über Bejahrte, geschweige denn überjunge Leute vermögen. Nun bin ich, als Deine Tochter,von Fleisch und Blut, und weit entfernt verlebt zu sein,vielmehr noch jung an Jahren, und aus beiden Gründenvoller sinnlichen Verlangens, dessen Stärke besonders da-durch auf das äußerste gesteigert worden ist, daß ich schoneinmal verheirathet gewesen und dadurch gewahr wordenbin, welche Wollust es ist, jenes Verlangen zu befriedigen."
„So entschloß ich mich denn, da ich doch jenen An-griffen zu widerstehen nicht vermochte, als ein schwaches,junges Weib, wie ich war, zu thun, wozu sie mich ver-lockten, und verliebte mich wirklich. Aber wahrlich, ichbot dabei alle meine Kräfte auf, so weit ich es zu ver-hindern im Stande wäre, durch den Fehltritt, zu demdie Natur mich nöthigte, weder Dir noch mir Schandezu bereiten. Auch hatten Amor's Mitleid und meinesGeschicks Gunst mir so verborgene Wege erspäht und ge-wiesen, daß ich zum Ziele meiner Wünsche gelangte, ohnedaß Jemand etwas davon gewahr geworden wäre. DiesAlles leugne ich Dir nicht, wer Dir auch jene Kundehinterbracht hat, oder wie Du sonst das Geschehene er-fahren hast. Uebrigens habe ich dem Guiscardo mich nicht,wie Viele thun, aufs Gerathewohl ergeben; nein, ich habeihn nach sorgfältiger Ueberlegung vor vielen Andern er-wählt, ihn mit umsichtiger Sorgfalt zu mir eingeführtund, mit bedächtiger Ausdauer von beiden Seiten, michlange der Erfüllung meiner Wünsche gefreut."