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Vierter Lag. Erste Geschichte.
der gerechte Zorn über Deine verbrecherische Thorheit. Jenewill, daß ich Dir vergebe, dieser aber nöthigt mich widermeine Natur, Dich hart zu bestrafen. Bevor ich michjedoch entschließe, will ich hören, was Du selber über dasGeschehene zu sagen hast;" — und mit diesen Wortensenkte er das Haupt und weinte so heftig, als ein Kindnach argen Schlagen es nur immer thun könnte.
Ghismonda hatte bei den Reden ihres Vaters, ausdenen sie abnahm, daß nicht allein ihre geheime Liebe ent-deckt, sondern auch ihr Guiscardo gefangen sei, unbe-schreiblichen Schmerz empfunden und war oft nahe darangewesen, demselben, nach Art der meisten Weiber, inThränen und lauten Wehklagen Luft zu macken; dennochaber besiegte sie diese Schwache, behielt die Züge ihresGesichts mit wunderbarer Festigkeit in ihrer Gewalt undsetzte sich, in der Meinung, daß ihr Guiscardo schon um-gebracht sein möge, vor, lieber ihr Leben lassen zu wollen,als die geringste Bitte für sich zu thun.
Demzufolge antwortete sie ihrem Vater nicht wie einbetrübtes, oder ihres Vergehens bezüchtigtes Weib, son-dern fest und unbekümmert, mit trockenen Augen undsicheren, unveränderten Zügen, folgendermaßen: „Tan-credi, ich bin weder gesonnen zu leugnen, noch zu bitten;denn das Eine würde, und das Andere soll mir nichtsnützen. Auch will ich Deine Liebe und Milde durch nichtsauf der Welt für mich zu erregen suchen; vielmehr binich entschlossen, zuerst die Wahrheit zu gestehen und meineEhre mit genügenden Gründen zu vertheidigen, dann abermeine Seelengröße durch Thaten auf das nachdrücklichstezu bewähren. Es ist wahr, daß ich Guiscardo geliebthabe, ihn noch liebe, und ihn, nicht nur so lange ich nocham Leben bleibe, was nicht lange sein wird, sondern wennman nach dem Tode noch liebt, auch alsdann zu liebennie aufhören werde. Zu dieser Liebe hat mich indeß nichtsowol meine weibliche Schwäche, als Deine Saumselig-keit, mich zu verheirathen, verbunden mit seiner Trefflich-